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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

In »Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit« präsentiert uns der Regisseur und Maler Julian Schnabel die Welt aus einem ganz eigenen Blickwinkel. Und Willem Dafoes Schauspiel ist mehr als eine Oscar-Nominierung wert.

Ein Mann sitzt in der Natur. Er malt. Eine Gruppe Schulkinder stürmt mit unzähligen Fragen auf ihn zu. Anfangs antwortet er knapp und aufrichtig, fühlt sich aber zunehmend unwohler im Kreis dieser lauten Wesen. Als dann die Lehrerin seine Kunst abwertet und die Kinder seine Leinwand berühren wollen, springt er auf, scheucht sie wütend fort. Die Lehrerin ruft ihm noch zu, er sei verrückt. Die Leinwand wieder aufgerichtet, malt er weiter.

Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit (OT: At Eternity’s Gate) / Julian Schnabel / USA, Frankreich/ 2018 

Die Story

Wir begleiten Vincent van Gogh (Willem Dafoe) auf den letzten Stationen seines Lebens. Von Paris geht es in das südfranzösische Städtchen Arles, von dort aus, nachdem sich Vincent nach einem Streit mit dem Künstlerkollegen Paul Gauguin (Oscar Isaac) das Ohr abschneidet, in die Nervenheilanstalt von Saint-Rémy. Dann noch einmal kurz zurück nach Paris zu Bruder Theo (Rupert Friend), bevor sich für den letzten Halt nach Auvers-sui-Oise und in die Obhut des kunstliebenden Arztes Paul Gachet (Mathieu Amalric) begeben wird. Doch sollte bereits hier gesagt werden, dass dies kein Film ist, der von seiner Handlung getragen wird.

Und, wie finden wir das?

Stattdessen regieren die Bilder. Die Handheld-Kamera bleibt nah an den Figuren, dynamisch und erratisch wackelnd, bevor dann wieder minutenlange Großaufnahmen einzelner Gesichter herrschen. Unterlegt ist das ganze angenehmerweise selten von ruhiger Pianomusik, sonst wird eher oft den Geräuschen der Natur, in welche Vincent sich zumeist zum Zeichnen zurückzieht, die akustische Bühne überlassen. Zudem kommt es immer wieder zu visuellen Spielereien, Fragmentierungen und Wiederholungen der Dialoge, was den mitunter wahnhaften Geisteszustand Vincents fast greifbar macht. So entwickelt sich schnell ein betörender Sog, der auch darüber hinwegsehen lässt, dass inhaltlich die meisten Dialoge nur einer Darlegung des Denkens Vincents dienen und man bald auch des Einzelgänger- und Visionärsnarrativ etwas überdrüssig ist.

Schlechtester Dialog

Immer wieder kommt es zu Monologen Vincents über schwarzem Bildschirm, welche mitunter sehr pathetisch wirken und durchaus zum Augenrollen animieren:

»Wenn ich einer Landschaft gegenüberstehe, sehe ich nichts als die Ewigkeit. Bin ich der Einzige? Unsere Existenz kann nicht ohne Grund sein.«

Reaktionen aus dem Publikum

Nach dem Film wundern sich die hinter mir Sitzenden, warum es denn schon wieder einen Film über van Gogh gibt-  gab es da nicht schon welche? Auch am Ausgang fragt sich eine andere Gruppe, ob es das denn jetzt gebraucht hätte.

Äh, und der Bechdel-Test?

Krachend durchgefallen. Nur selten werfen weibliche Nebencharaktere sich ein paar Worte zu, als Gespräche können diese aber beim besten Willen nicht gelten.

Fazit

»Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit« ist ein seltener Film. Die Handlung tritt zurück, stattdessen gibt es meditative Landschaftsaufnahmen und einen technisch wunderbar gespiegeltes Abrutschen in eine gequälte Psyche. Das alles lenkt auch zumeist davon ab mit wie viel Ernsthaftigkeit hier das mitunter leidige Bild vom Genie als Außenseiter und Unverstandenen konstruiert wird. Alles in allem ein Erlebnis mit einer Atmosphäre, die einen schnell in ihren Bann schlägt.

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