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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche. Wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das. Diese Woche lief: Tulpenfieber

Ein Gasthaus mit Rängen wie in einem Theater zu Shakespeares Zeiten. Menschen in wallenden, gerafften, mittelalterlich gefärbten Gewändern, mit Lederwamsen gehalten, beugen ihre erhitzten Gesichter unter Hauben, Hüten und ähnlichen zeittypischen Kopfbedeckungen in Richtung Mitte des Geschehens; die Hand am prall gefüllten Lederbeutel. Wird eine gestreifte Tulpe unter den versteigerten Kostbarkeiten sein? Wie dick sind die Zwiebeln der „Admiral Maria“- Blume? Die Spannung steigt, die Menge fiebert.

Tulpenfieber „Tulip Fever“, Justin Chadwick, 2017

Die Story

Ein junges Mädchen (Oscar-Preisträgerin Alicia Vikander) wächst in einem Kloster bei einer sowohl ausgefuchst als auch menschlichen Obernonne (Oscarpreisträgerin Dame Judi Dench) auf und heiratet einen reichen Mann (Oscar-Preisträger Christoph Waltz). Der will ein Kind von ihr (logisch), und als das nicht klappt, heuert er einen Maler (Dane DeHaan) an, damit ihm wenigstens etwas für die Ewigkeit bleibt. Es ist Holland im Jahr 1634 und der Tulpenmarkt explodiert, wobei es sich um die kleine Schwester der Immobilienblase handelt. Vor diesem Hintergrund wird eine Verwechslungskomödie zum Besten gegeben.

Und, wie finden wir das?

Endlich mal wieder ein Historiendrama, dachte ich zu Beginn. Bilder, die das Auge verwöhnen (Kamera: Emmy-Preisträger Eigil Bryld). Alles ausgeleuchtet wie in einem Rembrandt-Gemälde. Wir haben es hier mit einer Romanverfilmung (Deborah Moggach) zu tun. Das fällt auch den unwissenden Zuschauerinnen auf, sobald das unmotivierte Voice-Over von der zweiten Person (erst die Magd, dann der Ehemann) die Handlung aus einem größeren Ganzen heraus deutet; was nicht ganz einleuchtend ist. Es bleibt unklar, wie witzig das alles gemeint ist, oder ob Buch (Tom Stoppard) und Regie (Justin Chadwick) einfach gnadenlos sind. Dennoch ist es ungeheuer unterhaltsam.

Der Film „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ wird bis in die Kameraeinstellung hinein zitiert (man kann sich also über Alicia Vikander in Perlenohrringen am Fenster freuen), ohne einen Funken von dessen Qualität zu erreichen. Es gibt natürlich auch ein Gewitter während des dramatischen Höhepunkts und einen Rom-Com-Run durch das typisch mittelalterliche Amsterdam (nichts an der Ausstattung überrascht, das muss man erst mal einen ganzen Film lang durchhalten!) In guter Shakespeare‘scher Manier gibt es als Nebenhandlung eine Verwechslungskomödie, quasi die Nebenhandlung von „Viel Lärm um nichts“ nach Holland verpflanzt – und das wäre auch ein schönes Fazit für diesen bunten Film. David Harewood, Cara Levigne etc. pp. spielen auch noch mit. Das ist das eigentliche Rätsel, das man gespannt verfolgt – wie kamen all diese Schauspielerinnen in diesen Film, und was machen sie da?

Schlechtester Dialog

„A man likes to leave something of himself to the world“, sagt Ehemann Cornelis, während er im gemeinsamen Schlafzimmer sein kleines Geschäft im Stehen in einen Eimer verrichtet.

Ehefrau (anwesend, liegt schon im Bett): „My little soldier will do his fight tonight. Give me a hand of duty.“

(Dann legt er sich ins Bett.)

Reaktionen aus dem Publikum

Wieder zurück im vertrauten Saal 2 (nach dem Kellerausflug letzte Woche) fühlt sich das Publikum sichtlich wohl. Eine der lautesten Lacherquoten, die ich bis jetzt erlebt habe. Jedoch gingen relativ viele während des Films, dabei hatte der noch nicht mal Überlänge. Popcorn ist hier angebracht, das haben viele Zuschauerinnen in weiser Voraussicht bedacht und so wird es durch die Reihen gereicht. Die fröhliche Feierabendstimmung steigt an – bis der Film beginnt. Dann Heiterkeit, die in der Schlussmontage zu herzhaften Lachsalven kulminiert.

Äh, und der Bechdel-Test?

Mich nervt es, Frauen, die sich über Schwangerschaft und Geburt miteinander unterhalten als bestandenen Bechdel-Test zu bezeichnen, also nein.

Hier kannst du die letzte Sneak Review mit Alicia Vikanders Schätzchen Michael Fassbender lesen: Das Gesetz der Familie

Fazit

Eine Komödie in der Beleuchtung von Rubens und Rembrandt, für einen unterhaltsamen Abend mit viel Popcorn!

Bild: Filmstarts.de