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Anna Seghers Roman Transit in eine zeitlose Gegenwart verpflanzt. Wie fühlen sich Flucht und Exil und alles dazwischen an? Transit von Christian Petzold thematisiert genau das.

In einem Pariser Café erhält Georg den Auftrag, einen Brief an den Dichter Weidel zu überbringen. Gleichzeitig wurde die Stadt von den Faschisten besetzt. Als Georg im Hotel von Weidel ankommt, ist der schon tot und Georg muss nach Marseille fliehen. Im Laufe der Handlung gibt er sich durch Zufall als Weidel selbst aus.

Transit, Christian Petzold, Deutschland / Frankreich 2018

Die Story

Deutsche Faschisten sind in Paris einmarschiert. Georg flieht mit dem Manuskript des Dichters Weidel, der sich aus Angst vor der Strafe der Faschisten das Leben nahm, nach Marseille. Neben Werken von Weidel führt er dessen Briefe und die Versicherung für ein mexikanisches Visum mit sich. In Marseille erlaubt, sind nur diejenigen, die bald wieder gehen. Schon bald nimmt Georg die Identität von Weidel an und befindet sich in einem Transitraum, während er auf seine Papiere für die folgenden Transitländer wartet und sich von Transitpassagieren umgeben sieht.

Und, wie finden wir das?

Christian Petzold hat die autobiografische Exilgeschichte von Anna Seghers aus dem Jahr 1944 – einer DER Exilromane – in einen zeitlosen Rahmen geflochten. Ja, es sind immer noch deutsche Faschisten, die Böses tun, und ja, es werden immer noch Juden, Homosexuelle und Systemkritiker gejagt, aber: der zeitliche Rahmen ist nicht festzumachen. Erinnern die Bedingungen doch an den Zweiten Weltkrieg, sind Technik, Mode und Industrie ganz offensichtlich viel zu modern, um sie dort verorten zu können. Und genau hier liegt das Grandiose an diesem Film. Der Regisseur spielt nicht nur hervorragend mit dem Transitmotiv, sondern knallt dem Zuschauer die Aktualität der Themen Exil, Flucht und Gefühle der Orientierungslosigkeit direkt vor den Latz – Geschichte trifft auf Gegenwart.

Während Georg sich im Transitraum befindet und auf Papiere und Schiffspassagen wartet, begegnet er anderen Geflüchteten, die alle ihre eigenen Geschichten haben – manche erinnern an vergangene, manche an aktuelle politische Geschehnisse und fügen sich doch zu einem großen Ganzen zusammen. Protagonist Georg ist die Geschichten allerdings bald leid – beinhalten sie doch immer das gleiche Elend.

Schlechtester Dialog

Dissen wir in dieser Sneak Review einfach niemanden. Eine Romanverfilmung von Anna Seghers – halloho. Huldigen wir lieber dem Regisseur und seiner vielschichten Umsetzung des Transitmotivs.

Reaktionen aus dem Publikum

Leider wurde der Film einem sehr unruhigen, hungrigen und mit Tüten raschelnden Publikum im nicht so schönen Saal 3 gezeigt.

Äh, und der Bechtel-Test?

Nein. Wir folgen ausschließlich Georg. Der hat mit wenigen Frauen zu tun; die begegnen sich nie.

Fazit

Ansehen und sacken lassen. Was der Regisseur hier geschafft hat, ist schon eine Wucht.

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Außer Transit gab es in der letzten Woche folgende Themen…

Ein Herz für Heidi und die Penisüberraschung für ihre Flopmodel.

Evita ist wieder da! Hier Teil 3 des romantischen Fortsetzungsromans.

Und letzte Woche in der Sneak: The Death of Stalin

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