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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Diese Woche in der Sneak: Die Hotties Pénelope Cruz und Javier Bardem wieder zusammen! Spanische Dorfidylle, baufällige Kirche, viel Vino und die entführte Tochter. Woher soll das Lösegeld beschafft werden? Welche Geheimnisse werden im Familienclan aufgedeckt? Todos los Saben – alle wissen es.

Ein großes verwinkeltes Haus mit knarrenden Türen und einem Retro-Treppenlift. Ein schönes Weingut am Rande des Dorfs. Kaffeetrinken auf dem Kirchvorhof. Mediterrane Einrichtung und herzlich laute Bürger im Gasthaus. Wie schön ruhig und behaglich es doch ist – oder trügt der Schein?

Todos los Saben / Ashgar Farhadi / Spanien, 2018 / 132 Minuten

Die Story

Laura (Pénelope Cruz) reist aus Argentinien mit ihrer Teenager-Tochter Irene und dem kleinen Sohn zu einer großen Familienhochzeit im kleinen spanischen Dorf an. Irene ist pubertär, wild und feurig unterwegs. Sie wird während der Feier schlafend aus ihrem Bett entführt. Als Laura bemerkt, dass etwas nicht stimmt, holt sie ihren Ex Paco (Javier Bardem) zur Hilfe. Die ganze Familie ist in Aufruhr: Laura erhält nun Textnachrichten der Erpresser; es soll keine Polizei eingeschaltet werden. In der Nähe wurde schonmal ein Mädchen entführt – mit Todesfolge. Letztlich reist auch Lauras Ehemann Alejandro (Ricardo Darìn) aus Argentinien an. Die Angelegenheit wird immer dramatischer, da es jemand aus dem großen Familiengespann gewesen sein muss.

Und, wie finden wir das?

Der Film nimmt eine halbe Stunde Anlauf mit viel Latino-Leidenschaft und Lebensfreude. Er zeigt den Alltagstrott und die chaotische Feier, aber verbraucht dabei so viel Energie, dass er den Sprung zu einem spannenden Plot nicht mehr schafft. Es ist weder ein Psychothriller, noch ein Action- oder Detektivfilm. Wenn nicht gerade geweint oder gebrüllt wird, herrscht eine ungewöhnliche Stille. Umso interessierter beobachtet man die Protagonisten, welche ständig aus Autos ein- und aussteigen oder auf dem Bett sitzen. Eingeblendete Gebäude oder bestimmte Geräusche lassen die Zuschauer auf Indizien schließen –  aber leider wurde (eventuell gewollt) und komplett unkommentiert Verwirrung geschaffen. Außerdem zerstören die sichtbaren Drohnen und Kameraleute die Illusion des Films.

Schlechtester Dialog

Alejandro zu Paco: »Mein Gott hat mir mein Leben gerettet! Er gab mir die Chance zu reagieren!«
Paco: »Wo ist dein Gott jetzt? Warum rettet er nicht Irenes Leben?!«

Reaktionen aus dem Publikum

Als beim Vorspann die Namen der Besetzung auftauchten, ließen mehrere ein Mmmmhh und Ooooh verlauten – die Erwartungen waren spürbar hoch im Kinosaal. Die Sprachbarriere (spanischer O-Ton und deutsche Untertitel) vergraulte jemanden umgehend. Etwa zur Halbzeit verließen drei Paare den Saal vorzeitig.

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden! Verschiedene Frauen unterhalten sich untereinander – zwar häufig über Beziehungstrukturen und -verflechtungen, aber nicht ausschließlich.

Fazit

Der Trailer ist spannender als der ganze Film. Das Geheimnis ist schnell erraten. Der Film kann sich auf kein Genre festlegen und macht nur mikrige Versuche, die Aufmerksamkeit der Zuschauer einzufangen. Wer sich auf die Schauspieler Cruz, Bardem und Darìen freut, kommt leider auch nicht wirklich auf seine Kosten.

Lust auf mehr? Dann schau hier!

Ein Herz gibt es zur Zeit für die, denen die Kirche nicht genug Liebe geben kann.

Leonie sah sich an, wie Fundi-Christen beim „Marsch für das Leben“ weiße Kreuze schwingen.

Viel Berlin-Nostalgie in der letzten Sneak: SHUT UP AND PLAY THE PIANO.

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