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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Der französische Regisseur Jaques Audiard sackt mit der Adaption des gleichnamigen Romans von Patrick DeWitt gleich fünf Auszeichnungen ein. Unsere Autorin ist nicht ganz einverstanden.

OREGON, 1851. Nachts bei sternenklarem Himmel fallen vor einer Scheune sekündlich Schüsse. Nur ein brennendes Pferd und das Schießpulver erleuchtet die sonst so dunkle Prärie. Das muss wohl ein Western sein.

The Sisters Brothers / Jacques Audiard / Frankreich / 2018

Die Story

Aufhänger ist die Erfindung einer chemikalischen Lösung zur Kenntlichmachung von Gold. Wir befinden uns in Oregon, von wo aus die Brüder Eli (John C. Reilly) und Charlie Sisters (Joaquin Phoenix) Jagd auf den Chemiker Hermann Kermit Warm (Riz Ahmed) machen. Der Mann mit dem Muppetsnamen trifft auf Privatdetektiv John Morris (Jake Gyllenhaal) und zieht ihn auf seine Seite. Eine ganze Weile lang verfolgt man zwei einzelne Handlungsstränge, die später aufeinandertreffen. Nein, es gibt keinen Pistolenfight à la »Hände hoch oder ich schieße«, sondern Teamwork und Zusammenhalt.

Und, wie finden wir das?

Langweilig. Es ist die zum tausendsten Mal erzählte Geschichte von Whiskey trinkenden, gesetzlosen Cowboys im Wilden Westen. Viele Schussszenen und Pferdebilder, die aber an Apassionata nicht herankommen. Aufgelockert wird die fade Handlung nur durch Situationskomik, die meistens mit Eli zu tun hat. Ein Cowboy, der sich zum ersten Mal die Zähne putzt. Ein Cowboy, der sich an dem Wort  »schikanieren« stört und eine Spinne, die im Magen des Cowboys ihre Kinder großzieht. Zum Schluss überrascht der Streifen noch mit einer ziemlich widerwärtigen Szene.

Schlechtester Dialog

Raue Westernsprache kam schon vor, aber platt waren die Dialoge deswegen nicht. Ein Monolog schien mir jedoch völlig einfallslos. Wir sehen Charlie vor einem schwarzen Hintergrund, der in die Kamera sagt: »Ich fragte nach Warm. Es hieß, es gibt niemanden mit diesem Namen hier. Dann fiel mir Morris ein. Bingo! Jetzt weiß ich wo sie sind.« Und plötzlich springen wir zu den Brüdern, die auf dem Weg zu Warm und Morris sind. War das der beste Weg, um die Handlung vorwärts zu bringen?

Reaktionen aus dem Publikum

Die Leute fieberten mit. Mal ein »Oh«, mal ein »krass«, aber zum Ende hin wandelte sich die Aufregung in langes Seufzen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Durchgefallen. Es gab genau zwei weibliche Sprechrollen, darunter eine Hure, die nur den Anweisungen von Eli folgt.

Fazit

Handwerklich gut gemacht. Klare Bilder, gute Dialoge und ab und zu mal Komik. Die Brutalität hält die Abgestumpften wach. Trotzdem behält man »The Sisters Brothers« nicht länger als 3 Tage im Kopf.

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