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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Mit dem Rolls Royce von Elvis Presley durch die USA. Dokumentarfilmer Eugene Jarecki begibt sich in THE KING auf die Spuren des King of Rock’n’Roll und beleuchtet gleichzeitig die Gesellschaft der Vereinigten Staaten damals und heute.

Auf einer Landstraße fährt ein Rolls Royce auf den Zuschauer zu. Nächste Szene: Ein Ausschnitt aus einem Video von keinem geringeren als Elvis Presley, King of Rock’n’Roll. Anschließend wird besagter Rolls Royce auf einem Filmset gezeigt.

Und ich bin im siebten Himmel.

THE KING, Eugene Jarecki, Deutschland/USA 2017

Die Story

Der US-amerikanische Dokumentarfilmer Eugene Jarecki tourt mit dem alten Rolls Royce von Elvis Presley durch die USA und zieht ein Gleichnis: Das Leben vom King of Rock’n’Roll – vom Paradebeispiel des American Dream bis hin zum Absturz und Tod auf dem Klo. Seine Reise ist eine Metapher für die Vereinigten Staaten. Einst Land der unbegrenzten Möglichkeiten und Ursprung der Demokratie, ist es nun nicht mehr als eine Totalkatastrophe – die USA als Inbegriff des Kapitalismus; eine Weltmacht mit Donald Trump als Präsidenten, dem Volltrottel schlechthin.

Und, wie finden wir das?

Eines vorweg: Dies ist die Rezension eines Elvis-Fan. Es war schwer mich auf dem Sitz zu halten vor lauter Freude. Tonaufnahmen, Filmszenen, Interviews mit Menschen, die Elvis sehr nahestanden, lassen jedes Fanherz höher schlagen. Gleichzeitig hat die Metapher mit der Eugene Jarecki arbeitet, so interessant der Ansatz auch sein mag, durchaus seine Macken. Der Regisseur geht reflektiert mit dem Thema um, lässt Kritiker zu Wort kommen und beleuchtet dabei nicht nur die Schattenseiten von Elvis Presley, sondern auch die der USA. Genau wie der King haben auch die Vereinigten Staaten eine funkelnde und eine armselige Seite. Der Ausnahmemusiker kam nicht nur nicht mit seinem Ruhm klar, sondern hat seine Berühmtheit – die beinahe ungeschlagen ist – auch nicht für die wichtigen politischen Geschehnisse seiner Zeit eingesetzt. Damals kämpfte gerade Martin Luther King für Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit. Seine Stimme und seinen Einfluss hat Elvis hingegen niemals für Politisches genutzt. Emotional, mit großartigem Soundtrack, lässt der Regisseur Menschen aus den verschiedensten sozialen Schichten zu Wort kommen, deren Stimme sonst nicht gehört wird. Diejenigen beispielsweise die in Tupelo leben, dem Geburtsort von Elvis Presley. Dieser Ort ist ein Pilgerort für Fans, aber ansonsten herrschen dort Armut, Perspektivlosigkeit und Unmut. Verschiedene soziale Schichten kommen zu Wort, historische Ereignisse werden besprochen und so ist die Musikdoku unterhaltsam, hat aber ihre Mängel, was die Tiefe der Gesellschaftsthemen betrifft.

Schlechtester Dialog

Nicht schlecht, aber ein bitterer Moment:

Alec Baldwin sitzt im Rolls Royce von Elvis Presley und spricht über die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen: „Trump isn’t gonna win.“ Nervöses Lachen: „I mean, come on!“

Reaktionen aus dem Publikum

Ein sehr aufmerksames Publikum. Alle starren gebannt auf die Leinwand.

Äh, und der Bechtel-Test?

Da Dialoge nur in Form von Interviews stattfinden, durchgeführt von einem männlichen Dokumentarfilmer: Nö.

Fazit

Die Metapher zu Elvis’ Leben und zu den USA wird am deutlichsten, wenn sich die Doku dem Ende nähert. Ein verschwitzter, fetter Elvis auf der Bühne, völlig druff, nicht mehr zurechnungsfähig – willkommen im Kapitel Trump.

Für Fans von Elvis, Rock’n’Roll und Rhythm and Blues gute Unterhaltung. Schon allein wegen der Filmaufnahmen, dem grandiosen Soundtrack und den Hintergrundinformationen, die die Interviewten, zum Teil enge Vertraute des Musikers, bieten. Wer einen tiefen Einblick in die Entwicklung der USA und seine Gesellschaft erwartet, wird jedoch enttäuscht. Dieses Thema wird zu oberflächlich beleuchtet.

Außer THE KING gab es in der letzten Woche folgende Themen…

Jens Jessen von der Zeit fühlt sich bedroht. Und zwar von einem totalitären Feminismus. Hier Leonies Kommentar.

Vanessa und Laura waren in einer Ausstellung. Ein Spiel mit Realität und Fiktion. Mehr hier.

Und in der letzten Sneak: Lady Bird

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