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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Mit The Killing of a Sacred Deer inszeniert Yórgos Lánthimos eine düstere Familien- und Rachegeschichte. Mit Colin Farrell und Nicole Kidman. Warum der Film nichts für schwache Gemüter ist, verrät euch Maike.

Zuerst geben die Beine nach, dann kommt die Appetitlosigkeit und schließlich beginnen die Augen zu bluten. Was folgt ist der Tod…

The Killing of a Sacred Deer; Regie: Yórgos Lánthimos, GB/Irland 2017

Die Story

Herzchirurg Steven Murphy (Colin Farrell) hat vor Jahren einen Patienten bei einer Operation getötet. Dieser Tod muss nun gerächt werden. So denkt zumindest Martin, der Sohn des toten Patienten. Stevens Frau Anna und die beiden Kinder Kim und Ben sollen sterben. Er kann aber zwei von ihnen retten, indem er vorher selbst ein Familienmitglied seiner Wahl tötet. Es beginnt eine verstörende Geschichte, um die Frage, ob man in einer gerechten Welt wirklich leben möchte.

Und, wie finden wir das?

Großartig, von der ersten Einstellung an! Der The Lobster-Regisseur Yórgos Lánthimos hat sich in puncto Misanthropie selbst übertroffen. Wieder spielt der Film in einer Welt, die der unseren ganz ähnlich ist, doch deren Prinzipien menschenfeindlicher kaum sein könnten. Alle Figuren wirken merkwürdig apathisch, rattern unbetont ihre Dialoge runter und zeigen kaum Emotionen. In dieser eigentümlichen Welt funktioniert der Horror-Plot hervorragend. Das Ganze ist detailliert und hoch-ästhetisch in Szene gesetzt. Zwischen tragischer Komik und brutalem Ernst zieht einen dieser Film komplett in den Bann.

Schlechtester Dialog

Die Dialoge sind auf das Wesentliche reduziert und geben schlechten Wortwechseln schlicht keinen Raum. Etwas peinlich ist lediglich folgende Situation.

Steves Frau Anna (Nicole Kidman) stellt ihm im Bett folgende Frage, bevor sie sich regungslos vor ihn legt: „Vollnarkose?“

Reaktionen aus dem Publikum

Sehr vielfältig! Beim Vorspann wird recht munter geplaudert, bis in der ersten Szene Ekel-Geräusche die Gespräche zum  Verstummen bringen. (Einer der wenigen Momente, in denen Zuschauerreaktionen einen Film noch besser machen).

Während des Films herrscht Ruhe, unterbrochen von trockenen Lachern und kurzem Seufzen. Eine junge Frau in meiner Reihe bekommt kurz vor dem Ende Schnappatmung. Es lässt sich nicht genau sagen, ob sie gelacht oder geweint hat. Beim Abspann stammelt ein Typ hinter mir im Loop die Worte: „Was für ein kranker Scheiß!“

Äh, und  der Bechdel-Test?

Ganz knapp bestanden. In einer Szene wechseln Mutter Anna und Tochter Kim einige Worte. Ein paar davon, hatten nichts mit Männern zu tun. Da geht mehr!

Fazit

Verdammt gut, aber keine leichte Kost.

Außer der The Killing of a Sacred Deer, gab es diese Woche noch folgende Themen

Bei Taste the Waste: „Sandsturm der Liebe“ – ein romantischer Fortsetzungsroman.

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