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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

In ihrem Film »The Farewell« vereint die Drehbuchautorin und Regisseurin Lulu Wang die fernöstliche Spiritualität Chinas und die westliche Mentalität der USA und zeigt wie sie miteinander auskommen können.

Ein lallender Bräutigam. Eine beschwipste Oma. Ein schriller Elektropopsong und hüpfende middleager. Ach, da steigt gerade eine Party? Stört keinen. Die Kellner, Köche und Wächter schlafen seelenruhig auf Stühlen und Fensterbänken.

The Farewell / Lulu Wang/ USA, China/ 101 Minuten

Die Story

Billis (Awkwafina) Großmutter (Shuzhen Zhao) erkrankt an Krebs, doch weiß nichts darüber. Ihre Verwandten in China hüten dies als Geheimnis bis sie sterben würde. Doch Billi wuchs in den USA auf und fügt sich diesem Brauch nur schwer. Mit der Hochzeit ihres Cousins als Vorwand, reist sie nach China, um Zeit mit ihrer Großmutter zu verbringen. Ein Lebewohl ohne es so auszusprechen. Dort trifft sie auf ihre von fernöstlicher Spiritualität und buntem Gangnam-Style durchtränkten Wurzeln und lernt dies mit ihrer in den USA geprägten Mentalität zu vereinbaren.

Und, wie finden wir das?

Der Plot ist authentisch und mitreißend, wenn auch nicht aufs höchste theatralisch und spannend. Die Immigrationsgeschichte steht nicht im Vordergrund, doch wird Thema wenn Billi beide Kulturen zum Vergleich hat, welcher durchaus amüsante Augenblicke hervorbringt.

Die Montage aus langen Momentaufnahmen und kurzen Schnappschüssen ist anschaulich gemischt. Durchgehend dieselbe Violinenmusik und Acapellastimme dramatisiert und ruft erfolgreich Melancholie hervor. Einigen Sinnbildern werden mehrere Momente umkommentiert gewidmet. Was hat es also mit diesem Vogel auf sich?!

Schlechtester Dialog

Nicht schlecht per se. Oft ulkig, weil die Großmutter traditionelle und spirituelle Ansichten mit voller Ernsthaftigkeit ausspricht und man als Zuschauer mit seiner westlichen Weltanschauung nur schmunzeln muss.

Reaktionen aus dem Publikum

Es gab tatsächlich Gäste, die sich mehr Tränen als ich vom Gesicht wischen mussten. Doch andere wurden ungeduldig bei den stillen Momentaufnahmen und seufzten nur »Um Gotteswillen…« in meinen Nacken. Die Meinungen spalten sich.

Äh, und der Bechdel-Test?!

Bestanden. Billi spricht mit vielen weiblichen Rollen über anderes als Männer oder romantische Liebesbeziehungen.

Fazit

Beeindruckend und doch ganz simpel. Eine traurige, bewegende und ulkige Reise nach China mit einem wertfreien Blick aus westlicher Perspektive.

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