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Mit hohem Staraufgebot eröffnete in diesem Jahr Jim Jarmuschs »The Dead Don’t Die« als erster Zombiefilm überhaupt die Filmfestspiele in Cannes. 

Es ist spät, es ist hell. Das Polizeiauto sucht im Wald nach einem Ausreißer. Sie entdecken die Überreste eines Lagerfeuers. Es knistert im Busch. Sie werden beobachtet, zücken ihr Gewehr. Sie treten näher. Da liegt ein gehäutetes Kaninchen. »Yuck!« Aber warum ist es eigentlich noch hell?!

The Dead Don’t Die/ Jim Jarmusch/ USA/ 2019/ 103 Minuten

Die Story

Die Welt steht wortwörtlich Kopf oder zumindest in Schieflage. Und das bringt die Natur völlig durcheinander, unter anderem wachen die Untoten auf und treiben ihr Unwesen. In ihrer Kleinstadt müssen die Polizisten Chief Cliff Robertson (Bill Murray) und der Zombie-Connaisseur Ronnie Peterson (Adam Driver) sich nun um mehr als Hühnerklau kümmern. Centerville, »A Real Nice Place« beherbergt die exzentrische Bestatterin (Tilda Swinton), die urbanen Hipster (u.a. Selena Gomez), inhaftierte Jugendliche, einen Ultra-Republikaner, den im Wald lebenden Eremiten-Bob (Tom Waits) und mehr einschlägige (Schauspieler-)Typen. Wer schlägt sich und wer wird zerfleischt? 

Und, wie finden wir das?

Erfrischend und random! Für Fans des Regisseurs Jim Jarmusch und Detailverliebte gibt es einige Easter Eggs in und retrospektiv tolle Fun Facts über den Film zu entdecken. Es werden viele Sci-Fi-Elemente eingeworfen, für manche vielleicht undurchdacht und unentwickelt, doch man kann es als Teil des minimalistisch-trockenen Humors betrachten. Musikalisch wird nur der dafür komponierte Countrysong »The Dead Don’t Die« von Sturgill Simpson verwendet und untermalt gelungen das Minimalistische mehr als dass es eintönig wäre. Der Film kann eher als Sci-Fi-Komödie statt einem Zombie-Horrorfilm bezeichnet werden. Die Zombies sind Mittel, um viele aktuelle Geschehen zu kritisieren und politische und sozialkritische Botschaften zu vermitteln, sei es den vom Menschen herbeigeführten Klimawandel und dann Abwertung dessen als Fakenews oder die diversen materialistischen Abhängigkeiten zu denen der Mensch wie ein Zombie hirnlos gravitiert. 

Schlechtester Dialog

Da ist kein einzig schlechter dabei. Doch die Vierte Wand durchbrechende Metaebene, als sich die Polizisten über das Drehbuch unterhalten, stößt natürlich vor den Kopf, weil es wie die vielen anderen Elemente weiter unkommentiert bleibt.

Robertson: »You keep saying this isn’t gonna end well. How d’you know that?«

Peterson: »Jim gave me the script.«

Reaktionen aus dem Publikum

Das Publikum blieb zumindest den kompletten Film über und amüsierte und ekelte sich an den richtigen Stellen. Danach gab es eher geteilte Meinungen über das Genre und den kurzweiligen Plot.

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden! Es gibt mehrere Frauen-Duos, die sich zunächst zwar über einen Mann, dann aber nicht nur darüber unterhalten.

Fazit

Minimalistische Komik in einer Science-Fiction-Komödie mit EasterEggs und Funfacts für detailverliebte Filmfans und Anhänger Jim Jarmuschs und seinem immer tollen Cast. Ein unkomplizierter und erfrischender Film, auch wenn man sich mit den Einzelheiten nicht auseinandersetzt, sondern diese einfach mit Humor nimmt.

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