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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Eine Komödie, die locker und leicht Fragen um Kultur, Identität und Tradition umtänzelt. Basierend auf der wahren Liebesgeschichte von Hauptdarsteller Kumail Nanjiani und seiner Ehefrau Emily V. Gordon. Diese Woche in der ZurQuelle Sneak: The Big Sick.

Ein Comedian steht auf der Bühne. Er macht Witze über Amerika und Pakistan. Darüber, dass es in Pakistan auch „Knight Rider“ gäbe. Sie seien bei der  zweiten Folge.

The Big Sick, Michael Showalter, USA 2017

Die Story

Kamil (Kumail Nanjiani) ist ein junger Mann aus einer pakistanischen Einwandererfamilie. Das Leben, dass er jetzt in den USA lebt, missfällt seiner traditionsbewussten, konservativen Familie. Statt Anwalt zu werden, macht er Comedy und verheiratet ist er auch nicht. Dabei stellt seine Mutter ihm viele Frauen vor und überrumpelt ihn mit Überraschungsgästen bei jedem Familienessen. Kamils Mutter will für ihn eine Ehe arrangieren. So will es die Tradition. Als Kamil die „weiße” Psychologiestudentin Emily kennenlernt, spitzen sich die Konflikte zu. Und plötzlich wird Emily krank.

Und, wie finden wir das?

The Big Sick ist ein klassischer Sundance Film. Ernste Themen werden leicht verpackt, so dass man niederschwellig ins Grübeln kommt und doch mit einem Lächeln den Kinosaal verlässt. Und natürlich geht es viel um Familie.

Auch die nerdigen Film- und Serienanspielungen passen in dieses Profil. Ein bisschen wie in „Juno”, als der potentielle Adoptivvater ihres ungeborenen Kindes ihr „Wizard of Gore” näherbringen möchte. Bei The Big Sick will Kamil Emily für „Die Nacht der lebenden Toten” begeistern. Sie haben dann aber doch lieber Sex. Außerdem ist er ein Fan von Akte X.

Ansonsten hat The Big Sick viele Lacher. Beim Humor werden auch mal spielerisch Grenzen überschritten, zum Beispiel mit einem 9/11-Witz. Am Schluss gibt es viel Raum für Seufzer, Schniefen und „ach, wie schön” sagen.

Schlechtester Dialog

Manche Dialoge sind doch etwas zu schmalzig und kitschig-romantisch. Im besten und meisten Fall gelingt aber noch die rettende Kurve in einen guten Gag.

Reaktionen aus dem Publikum

Der Saal ist komplett voll. Alle bleiben bis zum Abspann. Die Reaktionen sind durchweg positiv. Man hört viele Lacher. Neben mir hält ein Paar Händchen. An manchen Stellen muss so ein Typ im Publikum (ich) aufpassen, dass keiner seine feuchten Augen sieht.

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Äh, und der Bechdel-Test?

Mit viel Wohlwollen könnte man deuten, dass die Mutter von Emily einmal mit einer Ärztin redet. Aber eigentlich ist das mehr ein Gruppengespräch. Außerdem hat die Ärztin keinen Namen. Zumindest erfahren wir ihn nicht. Also seien wir ehrlich: beim Bechdel-Test versagt der Film voll und ganz. Dafür wird aber mit einem Ur-Gebot des Patriarchats gebrochen: Emily redet darüber, dass sie kacken muss.

Fazit

Ein guter Film zum Lachen, Knutschen und ein bisschen Schluchzen.

Bildquelle: filmstarts.de

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