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Regisseur Sameh Zoabi inszeniert den Alltag seiner Figuren vor dem Hintergrund des Nahostkonfliktes und versetzt ihn mit einer Prise Komik. »Tel Aviv On Fire« wurde auf der Biennale in Venedig 2018 mit dem Interfilm-Preis zur Förderung des interreligiösen Dialogs ausgezeichnet.

Staubige Straßen. Langsamer Verkehr. Glühendheiße Motorhaube. Das Fahrerfenster wird geöffnet. Ein schiefer Blick von einem Mann mit zerzaust lockigen Haaren. »Kann man zu einer Frau sagen, sie sehe ‚bombig‘ aus?« Die Soldatin mit dem Schießgewehr schaut grimmig drein, »Raus! Sofort!«.

Tel Aviv On Fire / Sameh Zoabi / Israel, Frankreich, Luxemburg / 2018/ 95 Minuten

Die Story

»Tel Aviv On Fire« ist die antizionistische Seifenoper, die das Geschehen des Sechs-Tage-Kriegs in einen erfolgreichen Spionageeinsatz umschreiben will. In der Echtzeit sagt der Produzent Bassam (Nadim Sawalha) es sei eine Kompensation für das was sein Volk verloren habe. Sein Neffe Salam (Kais Nashif) ist nicht sonderlich in die Politik dahinter involviert, eher in die romantischen Dialoge der Serie. Das zieht auch die vielfachen weiblichen Fans – ob aus Israel oder Palästina – vor die Bildschirme. Sein täglicher Arbeitsweg führt aus Jerusalem über die Grenze. An einem Tag wird er vom israelischen Kommandeur Assi (Yaniv Biton) an der Grenze kontrolliert und muss nun damit leben ihm häufig zu begegnen und seinen Wünschen an die Fernsehserie gerecht zu werden. Währenddessen möchte er auch noch seine Verflossene Mariam (Maisa Abd Elhadi) beeindrucken. Somit ist das Drehbuch der Serie von persönlichen Intentionen und geheimen Botschaften übersät.

Und, wie finden wir das?

Die französische Produktion war in der Komik deutlich zu spüren. Platte Dialoge und trottelige Charaktere amüsieren die dem Nahostkonflikt unparteiischen Zuschauer. Wissenswert ist, dass der Regisseur – ein Palästinenser – in Israel aufwuchs, doch erst im Studium in Tel Aviv das Volk richtig kennenlernte. Seine Basis für den Film sind ausschließlich zwischenmenschliche, interkulturelle und mit Konflikt behaftete Interaktionen. Es ist erfrischend zu sehen, dass der israelische Kommandeur den arabischen Hummus bevorzugt. Doch erschreckend sind die vielen Szenen, die Schusswaffen, Angst und Erniedrigung durch und schiere Hilflosigkeit gegenüber israelischen Soldaten zeigen. Das Ausmaß des gewalttätigen Konflikts wird oft angerissen und fließt anschließend umkommentiert in einen amüsanten Dialog oder unschuldige Komik der Charaktere über. Das ist sehr irritierend. Doch wahrscheinlich der Alltag. An einem Tag mit der Waffe am Kopf bedroht, am nächsten wieder zur Arbeit über die Grenze.

Schlechtester Dialog

Salam zu Mariam: »Warte Mal! Hier hast du Feigen, Früchte der Liebe.«

Mariam: »Tomaten sind aber die Früchte der Liebe.«

Vielleicht kommt dies von einer kulturellen Anekdote, die wir nicht verstehen.

Reaktionen aus dem Publikum

Erstaunlich viele haben das Kino verlassen, in den ersten Minuten unter anderem eine junge Frau – mit der Nase rümpfend und schnaubend. Vielleicht waren die saloppen Gespräche über Palästina und Israel zu entrüstend. Andere gingen später. Es gab aber durchweg Lacher aus allen Richtungen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Nicht bestanden! Da gibt es nicht viel zu sagen. Die Frauengrüppchen starren auf den Flimmerkasten, der ihnen den täglichen Schuss Romanze aus der schnulzigen Seifenoper versetzt.

Fazit

Eine amüsante Komödie mit französischem Charme über einen laienhaften Drehbuchautor. Anspielungen auf den Nahostkonflikt werden von den Figuren à la the show must go on umkommentiert hingenommen. Das wirkt auf den aufmerksamen Zuschauer irritierend.

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