Zum Seiteninhalt

ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Diese Woche in der Sneak: Die Verfilmung des Romans „So was von da“ vom Hamburger Ex-Clubbesitzer Tino Hanekamp. Ein Film mit viel Musik, Drogen und Bela B. Statt im Kino zu sitzen und anderen Leuten beim Feiern zuzuschauen, wollte unsere Autorin glatt in den nächsten Club spazieren. „So was von da“ macht definitiv Laune!

Einer sieht aus wie von den Trailerparkboys: pinkfarbener Jogginganzug, breite Brille, Strickmütze. Der andere wie aus der Playboy-Mansion: weiße Chino, Tanktop, Pfauenfedernprint-Bademantel mit blauem Samtbesatz. Außerdem noch der Jogi Löw-Style: schwarzes längeres Haar, dunkle Denim und schwarzes Hemd. Als wär das alles nicht genug, treffen wir noch auf die Antifa, eine Halbnackte im Nonnenkostüm, den „toten Elvis“ und die Innensenatorin.

Sowas von da / Jakob Lass / Deutschland 2018

Die Story

Oskar (Niklas Bruhn) und sein Hamburger Liveclub sind sowas von bankrott. Und das ist sowas von die letzte Party vor dem Abriss. Mit all seiner Entourage, mit all den besten Bands seiner Clubbesitzerzeit, mit all den betäubenden und belebenden Substanzen. Er lebt das Hier und Jetzt. Denn was bleibt danach? 10.000 € Schulden bei dem lokalen Gangster Kiezkalle (Karl-Heinz Schwensen), eine Wohnung ohne Wohnungstür und Oskar ohne Mathilda (Tinka Fürst). Diese Silvesternacht wird also in vollen Zügen genossen.

Und, wie finden wir das?

Man fällt wortwörtlich mit der Tür ins Haus. Der Film beginnt sofort mit dem wesentlichen roten Faden – der Geldeintreiber überfällt Oskar zu Hause. Aber wenigstens ist dann dieser Handlungsstrang schnell etabliert – denn der Film hat viel mehr zu bieten. Tolle Figuren, zeitgenössische Dialoge und vor allem Authentizität. Jeder, der gern mal ausgeht, wird über die eigene Vertrautheit mit den Situationen von Türsteher bis zu Garderobenaufsicht schmunzeln.

Der Film erinnert zunächst an Trainspotting , A Requiem for a Dream und Limitless. Was alle gemeinsam haben, sind die unterschiedlichen Begleiterscheinungen der Drogen. Auch der Protagonist als Erzähler und eine Kapitelaufteilung im Film sind nicht neu.

Das Alleinstellungsmerkmal von „So was von da“ ist allerdings die Akustik. Diese kommt nicht nur durch die Auswahl und Liveperformance von Tracks, sondern durch die gesamte Tonverarbeitung zur Geltung.

Schlechtester Dialog

Der Dialog ist oft in Anlehnung an den Roman improvisiert und hört sich authentisch und zeitgemäß an. Selbst ein „schlechter Dialog“ ist in passender Weise absichtlich oberflächlich.

Die Einleitungen der jeweiligen Kapitel durch den Erzähler sind dafür umso schlechter: „Kapitel (so-und-so): Da wo wir lernen, nur die Zarten kommen in den Garten.“

Reaktionen aus dem Publikum

Es wurde herzlich gelacht. Allerdings habe ich mich gefragt, ob paar ältere Kinobesucher nicht zu vielen Reizen ausgesetzt waren: übermäßiger Konsum, laute Rock- und Technomusik, schnell-getaktete Szenen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Dialoge untereinander eher aus der Ferne, aber insgesamt prägnante ernstzunehmende Frauenfiguren, von denen man sich ein ausreichend gutes Bild machen konnte.

Fazit

Der Film, der von der Akustik lebt. Ein Feeling von St. Pauli, Reeperbahn, Hamburg. Es sieht alles echt aus. Die Leute und die Party. Die Konversationen und die Charaktere. Entweder ich gucke ihn noch einmal oder gehe einfach direkt selber feiern.

Lust auf mehr? Dann schau hier!

Holocaust? Da war doch was… Aber unser Herzchen Mark kommt nicht drauf.

We lieben Pussy Riot – und vergeben ein mitleidvolles Herz an Uniformen.

Du hast Lust auf mehr vom ZurQuelle Magazin? Wir freuen uns auf dich bei FacebookTwitter und Instagram.

Und am tollsten wäre es, wenn du ein Abo abschließen würdest. Nirgendwo sind wir so schön wie im Print.