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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Die andere Seite der Hoffnung: ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche. Wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das.

Ein Hafen. Möwengeschrei, Baukräne, riesige Schaufeln baggern dunkle Erde aus Frachtschiffen. Plötzlich ist es Nacht. In einem der Erdhaufen regt sich etwas. Langsam werden die Umrisse eines Menschen erkennbar, der sich aus dem Dreck schält – Gesicht, Hände und Körper von Ruß bedeckt. Ein phönixartiger Moment der Auferstehung.

Die Story

Seitdem fast seine gesamte Familie einem Bombenangriff in Aleppo zum Opfer fiel, irrt Khaled Ali (Sherwan Haji) durch Europa. Auf der Suche nach seiner Schwester, die er auf der Flucht an einem Grenzübergang aus den Augen verlor, landet er zufällig in Finnland und kämpft sich von dort an durch Illegalität und Obdachlosigkeit.
Zur gleichen Zeit lässt Waldemar Wikström (Sakari Kuosmanen) seine Frau und sein altes Leben hinter sich, um als Restaurantbetreiber sein Glück zu versuchen. Als Khaled eines Tages vor Wikströms Lokal sein Lager errichtet und ihre Wege sich kreuzen, beschließt dieser, ihm bei der Suche nach seiner Schwester zu helfen.

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Wie finden wir das?

Die andere Seite der Hoffnung vom finnischen Regisseur Aki Kaurismäki spielt mit einem Wechsel aus Ernsthaftigkeit und Humor, der so trocken ist wie der Aschenbecher, in den Wikströms Frau mit ihrer Zigarette zusammen auch gleichzeitig ihren Ehering wirft, bevor sie wortlos einen Wodka ext. Das macht ihn streckenweise sehr lustig und unkonventionell.

Dabei driftet der Erzählstil von Wikströms Geschichte in Absurditäten ab, die ihr Liebenswürdigkeit und Wiedererkennungswert verleihen. In teils großartigen Bildern und Szenenanordnungen befindet man sich eher in einem absurden artsy-Film, als in einer realistischen Erzählung. Dadurch wirkt die Innenausstattung der Wohnungen oft so wie die 70er Jahre in Omis Wohnzimmer. Warum schreibt im 21. Jahrhundert die Polizei auf der Wache auf einer Schreibmaschine?

Gleichzeitig wird in grauen Farben die bitterernste Geschichte des syrischen Geflüchteten Khaled erzählt, der alles verlor und Europa nach dem letzten noch lebenden Mitglied seiner Familie absucht. Diese merkwürdige und gewagte Verknüpfung der beiden Storylines – todtraurig, hochaktuell und politisch, versus komödiantisch-absurd und retro – schafft ein Mischmasch, das uns ein wenig fragend zurück lässt. Trotz der originellen Figuren, bleiben diese wegen der ständig parallel laufenden Erzählstränge relativ eigenschaftslos und weich gezeichnet. Die fehlende Figurentiefe macht die Storyline dann leider auch ein wenig vorhersehbar.

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Schlechtester Dialog

Dialog ist in diesem Film eher ein untergeordnetes Medium. Viel wird über Mimik und Körpersprache kommuniziert, und die Absurdität der Gespräche verleiht ihm auch oft erst seinen Witz. Deswegen sind einige Dialoge ziemlich schlecht. Khaled und ein Freund bestellen ein Bier in einer Kneipe:

„Was darf’s sein?“

„Zwei Bier. Sofort.“

„Auf der Stelle?“

„Ja.“

„Hier.“

Sneak Review zu „Moonlight“

Äh, und der Bechdel Test?

Leider sowas von gar nicht erfüllt, auch wenn die Sympathie-Credits vorhanden sind. Die einzigen beiden Frauen, die sich gegen Ende einmal kurz im Taxi miteinander unterhalten, sind Khaleds Schwester und die Kellnerin von Wikströms Spelunke. Die haben zwar beide einen Namen, reden aber auch nur über Khaled und dessen Plan.

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Reaktionen aus dem Publikum

Gute Stimmung. Als eine von Wikströms in die Jahre gekommenen, faltigen Kundinnen voller Ernsthaftigkeit erzählt, dass sie nach Mexiko-City ziehen werde, um sich Action, Hula-Hula und Sake zu geben, explodiert das Gelächter im Publikum. Ich verschlucke mich kurz an der reingeschmuggelten Mate. Keiner geht vorher nach Hause.

Fazit zu „Die andere Seite der Hoffnung“

Die Kombi der Erzählstränge ist mutig, wenn auch ein wenig fragwürdig, die Bilder sind hingegen super, unkonventionell und kreativ – für Fans von trockenem, nordischen Humor sehr sehenswert.

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