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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Letzte Woche Indien, diese Woche Japan – die Sneak bleibt in Asien. Der Gewinner der Goldenen Palme und Japans Wahl für deren Oscareinreichung dreht sich um eine Familie, die in Tokio auf engem Raum lebt und versucht, sich mit fragwürdigen Methoden über Wasser zu halten.

Ein Junge steht vor dem Süßwarenregal im Supermarkt. In seinen blauen Rucksack passen glatt zehn Packungen Schokoriegel. Er beobachtet vorsichtig seine Umgebung, wartet geduldig auf das Handzeichen und zum Ablenkungsmanöver des Komplizen packt er eine Packung ein. Erleichtert fragt er sich nun, was sonst noch auf der »Einkaufsliste« steht.

Shoplifters – Familienbande / Hirokazu Koreeda / Japan 2018

Die Story

Osamu (Lily Frank), Nobuyo (Sakura Andô) leben mit ihrem Sohn Shota, der Oma und Aki in einem kleinen Haus mit zwei Zimmern. Die Witwenrente der Oma und kleine Diebstähle decken die täglichen Notwendigkeiten. Durch liebevolle Neckereien ist die Stimmung jedoch stets gehoben. An einem kühlen Februarabend bringt Osamu ein Mädchen, das allein und ausgesperrt draußen saß, für eine Mahlzeit mit nach Hause. Sie hat blaue Flecken und ist sehr schüchtern und ängstlich. Als die Familie sie später nach Hause bringen will, hört man Osamus Eltern streiten. Sie entschließen sich das Mädchen bei sich aufzunehmen.

Und, wie finden wir das?

Japangelüste kommen nicht zu kurz – frittierte Kolokken, Anime-Polstersitze in den Bussen und Schulmädchen-Strip-Club. Die Familienkonstellation ist komplizierter als erahnt und was Osamu und Nobuyo verbindet ist unterschwellig aber zentral. Auch wenn Shoplifters thematisch spannend und rührend zugleich ist, enthält er wiederholt nicht zielführende Szenen oder erwähnt Themen nur randläufig.

Schlechtester Dialog

Die Oma wird von einem Sozialarbeiter besucht. Unnötige und unverständliche Szene, die vermutlich eine These im Film bekräftigen soll, die ohnehin schon deutlich wird.

Oma: »Wie viel Geld machst du damit, mich hier rauszukriegen?«

Sozialarbeiter: »Nein das war früher. Ich kaufe kein Land mehr auf.«

Reaktionen aus dem Publikum

In der letzten Reihe schnarcht einer laut. Zwar haben es sich alle anderen bei dem langen Film auch gemütlich gemacht, sind aber dennnoch wach genug, um hin und wieder zu schmunzeln.

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden! Genügend weibliche Charaktere unterhalten sich über Geld, Familie und so manche Geheimnisse.

Fazit

Es werden spannende Aspekte zur Willensfreiheit und Familie aufgegriffen. Doch die Art der Vermittlung ist sehr unausgeglichen. Ein Teil des Films ist zu plakativ, ein anderer dagegen zu intransparent und der Fantasie des Zuschauers überlassen. Insgesamt ist man allerdings doch von den charmanten Charakteren beflügelt.

 

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