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von und für Zaubernde

Weiß, nass, kalt. Die Sneak Review feiert mit einem Thriller die Nummer 60. Es lief: Schneemann.

Ein roter Volvo fährt auf eine Eisdecke. Am Steuer sitzt eine Frau; neben ihr ein Junge. Es schneit. Schnee liegt über den Bergen und um den eingefrorenen See. Darüber treiben Wolken, die wie weitere Schneewehen aussehen. Außer dem ausgebleichten roten Auto entfalten sich die verschiedenen Töne von Weiß, die der Winter in Norwegen hergibt. Das Eis fängt an zu brechen, die Risse schimmern dunkel aus der einheitlich hellen Fläche und werden tiefer.

Schneemann (The Snowman), Tomas Alfredson, UK 2017

Die Story

In Norwegen verschwinden junge Frauen, die allesamt kleine Kinder und gescheiterte Ehen haben. Immer schneit es, und nach jedem Verschwinden steht ein Schneemann vor der Tür. Kriminalhauptkomissar Harry Hole (Michael Fassbender) ermittelt. Oslo bewirbt sich um die Austragung der Ski-Weltmeisterschaft.

Und, wie finden wir das?

Die Kameraarbeit und Bildkomposition dieser Skandinavien-Krimi-Verfilmung (nach einem Bestseller von Jo Nesbø) sind atemberaubend und funktionieren über den ganzen Film hinweg. Aufnahmen von Wohnblöcken, in den Himmel ragenden Kränen und Baustellen schaffen einen Blick auf die moderne Stadtlandschaft, aus dem einem die Materialhaftigkeit der Gegenstände anspringt.

Dem Film gelingt es, die Ruhe einzufangen, mit der sich im Winter die Kälte auf den Boden liegt. Ein kinematographisches Fest über alle Arten, auf die man Schnee zeigen kann: beim Fallen, beim Liegen, beim Einstürzen. Kristallin und flockig und die vermutlich größte Anzahl an unterschiedlichen Schneemännern, die je ein Thriller untergebracht hat. Dieser Skandinavien-Krimi in norwegischer Schneekulisse ist nicht wahnsinnig politisch, nicht weltbewegend. Aber er funktioniert in sich als Film. Er erzählt einem alles, was man am Winter mag. Das Licht! Den Schnee! Pullover in genau der richtigen Wärmefähigkeit! Zugfahren in die Berge! Die Ruhe, wenn der Schnee gefallen ist! Da verzeiht man ihm die ungeschickt eingeschobenen Rückblenden, die überladene Auflösung, und sinnt auf dem Heimweg, im Ohr noch die Melodie, die der Mörder in „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang immer pfeift, und die als Handyklingelton die Schlusssequenz (viele verpasste Anrufe!) unterlegt, über die Frage nach: Was ist eigentlich eine Moltebeere?

Schlechtester Dialog

Der Dialog arbeitet hier unter erschwerten Bedingungen. Wenn geredet wird, wird ermittelt.

„Warum bist du zurückgekommen?“ – „Ich bin dir suspekt?“ „Weil du ein Freund bist und ein guter Ermittler.“

Reaktionen aus dem Publikum

Wieder im Saal 3 im Keller. Diesmal besser klimatisiert (aber ernsthaft, muss man bei Gruselfilmen und Thrillern das arme Publikum wirklich in den Keller verlegen?). 1 Schrei bei (Spoiler). 2 Personen gingen. Beide kamen wieder.

Zu schwache Nerven? In der Sneak der letzten Woche ging es eher sportlich zu. Lies her mehr über Borg/McEnroe

Äh, und der Bechdel-Test?

In der norwegischen Kriminalpolizei arbeiten auch Frauen. Wenn eine Kommissarin eine Nachbarin und Zeugin über eine verschwundene Frau befragt, dann ist das schon nahe dran – aber der Film funktioniert nicht über seine Dialoge. Wenn man fragt: Wer handelt? Wer spricht? Wessen Geschichte wird erzählt?, bekommt man Bauchschmerzen. Das ist male-storytelling galore. Das einzige aber ernsthaft Unschöne am ansonsten tollen Film.

Fazit

Ein skandinavischer Psychothriller mit atemberaubenden Bildern. So macht Winter Spaß!

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen!

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