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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Die Horrorkomödie vom Regie-Duo Matt Bettineli-Olpin und Tyler Gillett startet am 26. September in den deutschen Kinos. Kurz vorher läuft sie bereits über das diesjährige Fantasy Filmfest in ausgewählten Städten der Bundesrepublik.

Eine mit Blut überzogene Frau in einem zerrissenen Hochzeitskleid läuft langsam die Steinstufen einer prächtigen Villa herab. Hinter ihr explodiert immer wieder etwas. Links und rechts stehen riesige Vasen mit herrlichen, weißen Rosen. Überall Feuer.

Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot/ Matt Bettinelli-Olpin, Tyler Gillett / USA / 2019 / 95 Minuten

Die Story

Grace (Samara Weaving) steht unmittelbar vor der Hochzeit mit Alex (Mark O’Brien). Dieser stammt aus der wohlhabenden und berühmten Le Domas Familie, deren Reichtum auf dem Vertrieb von erfolgreichen Gesellschaftsspielen beruht. Auch Grace muss um Mitternacht ihres Hochzeitstages ein Spiel spielen – so verlangt es die Tradition der Familie Le Domas. Doch schnell bemerkt Grace, dass dieses Spiel keinen Spaß machen soll. Es entwickelt sich eine irrwitzige Jagd um Leben und Tod bei dem allerhand kuriose und vor allem blutige Überraschungen auf sie warten.

Und, wie finden wir das?

Der Film hat durchaus Momente, in denen man mit der sympathischen Hauptfigur mitfiebert und sich an den Kinostuhl klammert, weil höchstwahrscheinlich in den nächsten Sekunden wieder etwas Furchtbares mit ihr geschehen wird. Doch diese Momente sind leider viel zu selten.

Die meiste Zeit ist das Geschehen auf der Leinwand stumpfsinnig und es fällt schwer die vollkommen überdrehten Figuren ernst zu nehmen. Spannung baut sich nur selten auf. Es entsteht keinerlei Charakterentwicklung. Manchmal kommt zwar Freude auf, wenn Grace eine brenzlige Situation lebend übersteht, doch insgesamt ist alles leicht vorhersehbar und wenig überraschend. Immer wieder die üblichen Jump Scares und Musikeffekte.

Zwar ist die übernatürlich angehauchte Prämisse rund um einen Faustischen Pakt erfrischend neu, doch kommt im Endeffekt dabei nichts Neues heraus. Stattdessen sehr viel Blut und Splatter. Der Film ist dabei nie atmosphärisch oder gruselig genug, um ein guter Horrorfilm zu sein, gleichzeitig aber auch nicht klug und unterhaltsam genug, um als gelungene Komödie durchzugehen. Das Drehbuch fällt dabei immer wieder negativ auf. Zwar sind einige Pointen gut gesetzt, doch es wird derartig viel geflucht und der Humor ist dermaßen platt.

»Ready or Not« hat aber auch etwas zu bieten. Die Kulissen sehen klasse aus und auch das Setting funktioniert hervorragend, denn zu welcher Nacht passen die berühmten ersten Sätze des Versteckspiels Hide and Seek besser, als zu einer Hochzeitsnacht? Ready or Not?

Schlechtester Dialog

Der Film ist voller schlechter Dialoge. Deswegen ausnahmsweise an dieser Stelle mal ein eher gelungener Satz des Drehbuchs. 

Kurz nachdem Grace erfährt, dass die Le Domas Familie sie umbringen will, wird sie von Alex‘ Bruder Daniel (Adam Brody) im Billardzimmer gefunden. Er ist Alkoholiker und stellt doch ganz nüchtern fest:

Daniel: »It’s true what they all say. The rich are really different. Im sorry.«

An dieser Stelle herrlich komisch.

Reaktionen aus dem Publikum

Einige Zuschauer:innen verließen den Saal bereits nach wenigen Minuten. Vorne bildete sich eine kleine Gruppe, die sich köstlich amüsierte und irgendwann bei fast jedem Satz laut schrie vor Lachen. Hin und wieder hörte man aber auch genervtes Stöhnen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Einigermaßen bestanden. Es gibt ein Gespräch zwischen Alex‘ Mutter Becky (Andie MacDowell) und Grace bei dem es um das Gefühl geht in die reiche LeDomas Familie einzuheiraten.

Fazit

Das hat man alles schon einmal besser gesehen. Trotz einer vielversprechenden Prämisse, satanischer Botschaften, einem Pakt mit dem Übernatürlichen und einer irrwitzigen Jagd durch wunderbar ausgestattete Kulissen kann »Ready or Not« einfach nicht überzeugen.

Irgendwo zwischen Horror und Komödie will beides nicht so richtig gelingen. Das Drehbuch ist dabei eine Zumutung und auch die Schauspieler können nicht durchweg überzeugen.

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