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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Auf den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes sicherte sich die Regisseurin und Drehbuchautorin Céline Sciamma mit ihrem vierten Film den Preis für das beste Drehbuch – nun kann jeder für sich selbst urteilen.

Eine Reihe Mädchen porträtiert eine junge Frau, ihre Lehrerin, und hören sich dabei ihre Ratschläge an. Doch auf einmal zuckt diese zusammen. Wer hat das Bild dort hinten aus dem Lager geholt und aufgestellt? Eine Schülerin meldet sich. Ob das schlimm wäre? Hat sie es gemalt? Ja, das hat sie. Und erinnert sich an die kurze, doch intensive Geschichte, die zu diesem Porträt einer jungen Frau in Flammen führte.

Porträt einer jungen Frau in Flammen (OT: Portrait de la jeune fille en feu)/ Céline Sciamma / 2019/ Frankreich/ 122 Minuten

Die Story

Marianne (Noémie Merlant), eine junge Malerin, erhält von einer verwitweten Gräfin (Valeria Golino) den Auftrag, von ihrer Tochter Héloïse (Adèle Haenel) ein Hochzeitsporträt anzufertigen. Gar nicht so einfach, hat Héloïse doch keinerlei Interesse an der Heirat und bereits einen vorherigen Maler vergrault. Zur Tarnung wird Marianne als Partnerin fürs Spazierengehen ausgegeben. Dass das nicht ewig funktioniert sollte jedem klar sein. Und dann kommt eben auch noch diese verdammte Liebe ins Spiel.

Und, wie finden wir das?

Stark. In vielen langen, ruhigen, fast malerischen Einstellungen und so gut wie ohne, wenn aber doch vorhanden, dann sehr pointierter musikalischer Untermalung begleiten wir Marianne, Héloïse sowie die Magd Sophie (Luàna Bajrami) dabei, wie sie mit den gesellschaftlich bedingten Problemen ihres Frau-Seins, von Zwangsheirat und ungewollter Schwangerschaft bis zu eingeschränkter Kunstausübung, umgehen. Auch Themen der Kunst, Musik und Literatur werden verhandelt, und über allem schwebt der große Wunsch nach Freiheit.

Schlechtester Dialog

Beim besten, oder eher schlechtesten Willen kann ich hier nichts anführen. Allzu leicht wäre es bei der Thematik wohl gewesen in Kitsch und Plattitüden abzugleiten. Davon bleiben die Dialoge aber immer weit entfernt, stattdessen geistreich und präzise.

Reaktionen aus dem Publikum

Nach der Vorstellung wird mein scheinbar studentischer Nachbar von einem seiner Freunde gefragt: »Und, gut geschlafen?«. »Hab ich doch gar nicht.« Naja, da habe ich aber was anderes gesehen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Durch den hauptsächlich weiblichen Cast bedingt lassen sich die von Männern gesprochenen Sätze fast an einer Hand abzählen. Also zweifellos bestanden. Den invertierten Test hingegen zur Ausnahme einmal nicht.

Fazit

Wunderbar geschauspielert, gefilmt und geschrieben, sodass es kaum etwas gibt, was man an »Porträt einer jungen Frau in Flammen« kritisieren könnte. Nur sollte man wach genug sein, um sich von der zurückgenommenen Inszenierung nicht in den Schlaf wiegen zu lassen.

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