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Xaver Böhms Spielfilmdebut »O Beautiful Night« sieht umwerfend aus und begleitet seine drei Hauptcharaktere durch eine wahnwitzige Reise durch die Berliner Nacht.

Das schmerzverzerrte Gesicht eines jungen Mannes, eine blutende Wunde, in der ein Rabe herumpickt. Düster anmutende, halb vertrocknete Pflanzen. Neonlicht. 

O Beautiful Night/ Xaver Böhm / Deutschland / 2019 / 89 Minuten

Die Story

Der junge Musiker Juri (Noah Saavedra) ist ein waschechter Hypochonder und hat wahnsinnige Angst vor dem Sterben. Nach einem Traum verlässt er panisch seine Wohnung und landet in einer dunklen Spielautomatenhöhle namens Paradiso. Dort begegnet er dem leibhaftigen Tod (Marko Mandic) persönlich. Dieser nimmt Juri mit auf eine schrecklich bizarre Irrfahrt durch das Berliner Nachtleben, in dem Juri nicht nur den Tod, sondern auch die Liebe in Person von Nina (Vanessa Loibl) kennenlernen wird. 

Und, wie finden wir das?

Optisch ist »O Beautiful Night« eine Wucht. Düster und romantisch, bizarr und poetisch wurde das Berliner Nachtleben hier inszeniert. Die herrlich verrückten Gestalten, das Neonlicht, merkwürdig aussehende Drogen. Hier wird sogar eine Bushaltestelle zum Kunstwerk. Dazu kommen erfrischende Dialoge mit wunderbar absurdem Humor. Der Film ist dabei immer wieder durchaus selbstironisch und nimmt sich nie zu ernst. Begleitet wird das Ganze von der zusammen mit Paul Eisenach eigens für den Film komponierten und sehr gelungenen Musik. Leider bleibt das Drehbuch dabei etwas farblos. Die Geschichte ist skurril, aber nicht bemerkenswert. Den Figuren fehlt erzählerischer Hintergrund, sodass selbst in den gefährlichsten Momenten sich keine wirkliche Spannung einstellt.

Schlechtester Dialog

Der Film hat keine wirklich »schlechten« Dialoge, aber vereinzelt sind die markanten, coolen Sprüche dann doch etwas zu viel des Guten und wirken etwas platt. Nina betritt beispielsweise eine Tankstelle:

Nina: »Haben Sie Eier?«

Tankstellenverkäufer guckt an sich herab unter die Theke und antwortet: »Die müssen da unten irgendwo sein.«

Reaktionen aus dem Publikum

Der Tod sorgt mit seinen markigen Sprüchen immer wieder für vereinzelte Lacher. Die Gäste sind sehr aufmerksam. Ein paar Leute gehen. Sonst herrscht eher Ruhe. 

Äh, und der Bechdel-Test?

Nicht bestanden. Nur eine der drei Hauptfiguren ist eine Frau. Es gibt zwar eine ganze Reihe weiblicher Nebencharaktere, ein bedeutendes Gespräch zwischen zwei Frauen allerdings nicht. 

Fazit

Ein Film für echte Cineasten. Xaver Böhm liefert hier ein wahres Feuerwerk an Bildern und Farben. Soundtrack und Dialoge sind ebenfalls großartig. Allein die Figuren bleiben etwas blass. 

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