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von und für Zaubernde

Mit dreizehn Nominierungen der vielversprechendste Kandidat bei der Oscarverleihung 2018, könnte dieser Film nach „Pan´s Labyrinth“ der nächste große Erfolg von Guillermo del Torro werden. Mit weniger Horror und mehr Romantik, dafür erneut mit skurrilen Wesen und fantastischen Begegnungen.

Die Kamera fährt durch eine komplett wasserdurchflutete Wohnung. Eine junge Frau, schlafend, treibt im Wasser. Kurz darauf wacht sie auf – die Wohnung ist trocken. Sie steht auf, kocht sich Eier zum Frühstück und masturbiert in der Badewanne.

Shape of Water – Das Flüstern des Wassers, Guillermo del Torro, USA 2017

Die Story

Die taube Reinigungskraft Elisa (Sally Hawkins) arbeitet in den frühen 60er Jahren in einem Hochsicherheitslabor der US-Regierung. Zusammen mit ihrer Kollegin und Freundin Zelda (wie immer großartig: Octavia Spencer) entdeckt sie eines Tages beim Putzen das neuste Projekt der Wissenschaftler: Ein merkwürdiges Wesen, halb Mensch, halb Amphibie (Doug Jones), das man aus dem Amazonas gezogen hat. Elisa ist fasziniert von der Kreatur und freundet sich mit ihr an. Als sie erfährt, was die Regierung mit dem Wesen vorhat, überredet sie ihren Lieblingsnachbarn ihr bei seiner Rettung zu helfen.

Und, wie finden wir das?

Ein verträumtes, schüchternes Mädchen; umgeben von exzentrischen Charakteren, um die sie sich hingebungsvoll kümmert. Erst als sie sich verliebt, entwickelt sie einen eigenen Willen und große Pläne. Kommt einem bekannt vor?! Richtig, und zwar von »Die fabelhafte Welt der Amélie«. The Shape of Water ist zwar deutlich brutaler, aber dafür sind die Figuren auch platter geworden. Die »Guten« sind kreativ und ein wenig chaotisch, aber immer liebenswürdig. Sie respektieren und unterstützen einander und denken immer selbstlos zuerst an die anderen. Die »Bösen« hingegen: brutal, rassistisch und sexistisch, voller Hass und Drang zur Selbstbereicherung. Auch das Setting der 60er Jahre mit dem Wettrennen »Amis gegen Sowjets« könnte klischeehafter nicht dargestellt werden.

An den besten Stellen schafft es der Film, diese Klischees beinahe karikaturistisch darzustellen. Zwischenzeitlich verliert er sich aber immer wieder in ihnen; was die Handlung und Charaktere kitschig und unglaubwürdig rüberkommen lässt. Ein gutes Beispiel ist der gutherzige, russische Wissenschaftler Hoffstetler.

Abseits dieser Schwäche des Films sind Kamera und Musik überragend, die Figuren super gecastet und grandios gespielt. Ein bisschen mehr von der lustigen, schlauen Zelda und ein bisschen weniger episches Gutmenschengelaber von Hoffstetler (Michael Stuhlbarg), der erfolglos versucht Oberfiesling Strickland (Michael Shannon) zu bekehren, hätte dem Film gutgetan.

Schlechtester Dialog

Nicht schlecht, sondern überragend: Elisas Freundin Zelda, die um keinen Spruch verlegen ist. Auf ihr Konto gehen die meisten Lacher des Publikums. Um nicht zu viel zu spoilern, nur ein Zitat von vielen:

„I can handle pee. I can handle poo. But blood – that’s something else!“ (Zelda, als sie und Elisa zusammen Blut aus dem Labor wegwischen müssen.)

Reaktionen aus dem Publikum

Begeisterter Jubel, als der Film beginnt: Eine Zuschauerin in der Reihe vor mir hatte offensichtlich auf diesen Film gehofft. Sie braucht ganze fünf Minuten, um sich wieder zu beruhigen. Ansonsten: Man lacht über Zeldas flotte Sprüche; freut sich, als Bösewicht Strickland bei der Verfolgungsjagd eins ausgewischt bekommt und dreht sich angeekelt weg, als er sich seine abgestorbenen, eitrigen Finger abreißt. Kommentar eines Zuschauers zu seiner Begleitung, als wir das Kino verlassen: »Das war doch mal ein guter Film!«

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden! Auch wenn der Film in den USA der 60er Jahre spielt und die Rollenklischees aufgreift (sämtliche Frauen arbeiten entweder als Reinigungskraft oder als Hausfrau); die weiblichen Figuren im Film haben viel zu sagen. Sie sprechen auch miteinander – und zwar nicht nur über Kochen, Männer und Kinderbetreuung.

Jede Frau, die zu Wort kommt – und mag es nur ein Satz sein – hat einen Namen, den das Publikum auch erfährt. Elisa spricht zwar ausschließlich in Gebärdensprache, aber jeder (!) versteht sie. Im Großen und Ganzen gibt es aber mehr männliche Parts, die dadurch auch einen höheren Sprechanteil haben.

Fazit

Toller Film für einen DVD-Abend! Der Film hat wenige Überraschungsmomente und ist oft vorhersehbar. Aber auch wenn die Liebenswürdigkeit der Hauptfiguren um Elisa sehr überspitzt ist, sie ist auch nett anzusehen und der Film hat viele lustige und exzentrische Momente. Die Prämisse, dass nicht »das Monster« das wahre Monster ist, ist clever.

Für mich keine 13 Oscars wert, aber zumindestens drei: Beste Musik, beste Kamera und Octavia Spencer als beste Nebendarstellerin.

Beitragsbild: imdb.com

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