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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche. Wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das.

Beim Chatten in einem Online-Datingportal erscheinen ihm die Frauen, die Pierre anschreibt als Visionen. Während er tippt und sich gar nicht sattsehen kann, lehnen sie lasziv im Türrahmen seines alltäglich unordentlichen Arbeitszimmers, mit jeweils unterschiedlichen, aber immer anregend erotisierten Voice-Overn.

Un Profil Pour Deux (Monsieur Pierre geht online), Stéphane Robelin, Frankreich 2017

Magst du französische Filme? Dann lies hier unsere Review zu „Die Schlösser aus Sand“!

Die Story

Pierre (Pierre Richard) ist 80 und hat seine Frau verloren. Mit seiner Enkelin Juliette (Stéphanie Crayencour) hat er Streit – die ist immer mit solchen Taugenichtsen zusammen. Juliettes neuer Freund Alex (Yaniss Lespert) nimmt ausgerechnet den Job an, ihm die Welt der Computer zu erklären. Pierre erstellt ein Online-Dating-Profil unter falscher Altersangabe und schickt Alex auf seine Rendezvouz – nicht ohne die Frau schlussendlich dann trotzdem für sich haben zu wollen.

Und, wie finden wir das?

Französische Filme: Das waren mal die Filme, in denen viel über Beziehungen geredet wurde. Rohmer, Truffaut, Chabrol – Menschen verlieben sich, bewegen sich zu Fuß oder anderweitig durch die Gegend, essen, schauen aus dem Fenster und haben Sex. Ein bisschen habe ich diese Sorte Film vermisst, als die Franzosen plötzlich so brachial lustig wurden: „Willkommen bei den Sch‘tis“, „Ziemlich beste Freunde“, „Monsieur Claude und seine Töchter“. – Lacher statt meditative Gedanken, die einen tief in die Fragen der Bedeutung der Liebe für den Sinn des Lebens führen.
Dieser Film greift die Beziehungsgesprächsfilmtradition im besten Sinne wieder auf. Die Aufnahmen von Paris sind kitschfrei und angenehm gegenwärtig, kombiniert allerdings mit Humoreinsprengseln des aktuellen französischen Filmstils. Die Story trieft nur so vor Zitaten aus der Filmstoffkiste, quasi Cyrano de Bergerac meets „Die Schöne und das Biest“.
Für einen Abend, bei dem man mit dem Stoßseufzer: „Bitte keine deutsche Komödie, wo sich über irgendwelche Randgruppen lustig gemacht wird (Ossis, Wessis, Frauen, egal)“, ins Kino gegangen ist, eine sehr angenehme Entwicklung. Ich empfehle eine Flasche Wein mitzunehmen.

Schlechtester Dialog

„Jeder Job hat seinen Wert. Später sehen Sie weiter.“ Juliettes Mutter versucht (erfolgreich), dem erwerbslosen Freund ihrer Tochter den Job als Computer-Lehrer ihres Vaters anzudrehen, während sie gemeinsam Einkäufe in der Küche auspacken.

Reaktionen aus dem Publikum

Diesmal nur leicht volles Auditorium. Der nette Kartenverkäufer hat deutschunkundiges Klientel mit der Warnung: „Kein englischer Film, nur deutsche Untertitel“ nach Hause geschickt. Leichte Lacher ab Minute 40.
Kennt Ihr das, wenn es sich irgendwie eingeregnet hat, und der Regen gar nicht mehr aufhört? In diesem Zustand pendelte sich irgendwo das Lachen ein. Ich konnte gar nicht mehr erkennen, auf welchen Satz es sich bezog. Es ging einfach nahtlos ineinander über.

Äh, und der Bechdel-Test?

Es geht um Alex und Pierre. Voilà – wenn Frauen reden, geht es auch immer um die beiden – also nee.

Kennst du schon die Sneak Review zu „Elle“? 

Fazit

Wunderbarer Gegenwartsfilm, bei dem man sich unterhalten lassen und den Abend genießen kann.