Zum Seiteninhalt

ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Techno, Trash und Quatsch. Diese Woche lief in der Sneak-Preview: Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt.

Irgendwo an einer Autobahnraststätte: Eine Gruppe von Menschen steht trauernd im Halbkreis um einen Mülleimer herum. Hauptfigur Karl (gespielt von Charly Hübner) hält eine Rede. Danach ab in die Tonne mit dem Hamster. Zack, fertig: Bestattung.

Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt, Arne Feldhusen, Deutschland 2017

Die Story

Karl lebt nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie irgendwo in Hamburg-Altona. Als er zufällig einen alten Kumpel trifft, lässt er sich dazu überreden, beim Techno-Label Bumm Bumm Records als Tourmanager anzuheuern.

In den 90ern wird Techno nämlich gerade kommerziell und das Label kommt auf die Idee mit einem Umzugswagen auf große Tournee durchs Land zu ziehen. Karl, als ehemaliger Künstler mit Drogenvergangenheit, ist der organisierteste von allen und wird direkt zum Chef ernannt.

Und, wie finden wir das?

Der Film besitzt nicht einmal ansatzweise eine schlüssige Handlung. Er versucht vielmehr das Gefühl von DJs und Künstlern einzufangen, die den Techno lieben und bereit sind, für die Musik jegliche Strapazen auf sich zu aufnehmen. Doch während die Schauspieler versuchen, ihren Charakteren Tiefe zu verleihen, ballert im Hintergrund der Bass.

Der Film lebt von einigen kurzweiligen Elementen: Den trockenen Dialogen, geprägt durch Karls leicht trottelige Art zum Beispiel. Oder den Klischees, die auch heute noch in Party-Berlin zelebriert werden. So kommt man leichter über den flachen Plot hinweg.

Schlechtester Dialog

Die Figur Sigi existiert nur als Running Gag, da sie immer wieder in unpassende Situationen platzt und sich mit „Hi, ich bin Sigi“ vorstellt. Nach dem zweiten Mal nervt es.

Reaktionen aus dem Publikum

Genervte Seufzer kommen von allen Seiten aus dem Publikum, als im Vorspann diverse deutsche Namen auftauchen. Vereinzelte Überlegungen direkt zu gehen beschleichen nicht nur den Autor und seine Begleitung. Als allerdings in der ersten Szene Bjarne Mädel („Der Tatortreiniger“,„Stromberg“) den Anti-Drogen-Hippie gibt, tritt kollektive Entspannung im Kinosaal ein und alle fallen zurück in ihren Sitz. Könnte doch gut werden.

Auch ein deutscher Film, aber mit einer ganz anderen Stimmung: Hier geht es zur Rezension von letzter Woche „Western“

Äh, und der Bechdel-Test?

Negativ. Wenn man drüber nachdenkt, gibt es im ganzen Film nur drei Frauen mit Sprechrollen. Die unterhalten sich überhaupt nicht miteinander, nicht einmal über Männer.

Fazit

Sinnlosigkeit, gute Dialoge und grandiose Schauspieler sind die drei Säulen dieser Geschichte. Das hier ist kein Drama über einen rehabilitieren Künstler/Technofan/Drogensüchtigen, sondern eine unterhaltsame Ansammlung von skurrilen Situationen und witzigen Gesprächsfetzen, stets untermalt vom monotonen Klang der Techno-Musik und atmosphärisch wirklich gut. Gerade als Fan von elektronischer Musik und trotz der Schwächen zu empfehlen, alle anderen können auch einfach in eine andere Sneak-Preview gehen.

Filmstarts.de