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von und für Zaubernde

Ein modernes Aschenputtel, eine frustrierte reiche Trulla, gesellschaftliche Unterschiede und bonzige Schnösel: Madame. Die Haushaltshilfe Maria verzaubert mit Charme und anzüglichen Witzen.

Paris an einem Sommertag. Ein älterer Mann und eine Frau radeln durch die Straßen und motzen sich an. Nächste Szene: Köstlichkeiten werden mit viel Behutsamkeit und Liebe zum Detail zubereitet. Eine große Tafel in einem pompösen Haus wird von zahlreichen Haushaltshelfern gedeckt.

Madame, Amanda Sthers, Frankreich 2017

Die Story

Anne (Toni Collette) und Bob (Harvey Keitel) sind ein reiches Ehepaar, dessen Ehe eingeschlafen ist. Ausgerechnet an dem Tag, an dem Anne eine ihrer luxuriösen Dinnerpartys gibt, taucht plötzlich Steven, Bobs ältester Sohn aus erster Ehe, auf und beansprucht einen Platz an der Tafel. Und zwar als 13. Gast.

Für Anne eine pure Katastrophe und so bittet sie Maria, ihre beste Haushaltshilfe darum, als 14. Gast an der Tischgesellschaft einzuspringen. Maria (die grandiose Rossy de Palma) wird also eingekleidet und mit Benimmregeln bombardiert: Iss nicht zu viel. Sprich so wenig wie möglich. Trink nicht so viel.

Maria findet bald Gefallen am Abend und am edlen Rotwein. Es dauert nicht lange und sie erzählt den schnöseligen Reichen am Tisch verdorbene Witze über Brüste und Schniedel. Damit verzaubert sie nicht nur das Publikum, sondern auch David, einen erfolgreichen Kunstagenten und die Tragödie nimmt ihren Lauf. Denn Anne ist von der Liebschaft nicht sonderlich begeistert und droht Maria zu enttarnen.

Und, wie finden wir das?

Liest man den vorherigen Satz, sollte man doch stocken. Reicher Kunstheini verliebt sich durch ein Missverständnis in die Haushaltshilfe des Hauses. So what? Ändert Marias Anstellung tatsächlich etwas an Davids Gefühlen? Wäre das wirklich ein Problem?

Doch Madame macht es dem Zuschauer nicht so einfach. Die Charaktere sprechen oft aneinander vorbei. Als Maria ein einziges Mal ihr Angestelltenverhältnis vor versammelter Mannschaft gesteht und darüber spricht, dass sie Madame Annes Unterwäsche wäscht und bügelt, brechen alle – und am lautesten lacht ihr Liebster David – in schallendes Gelächter aus. Welch köstlicher Witz.

Die Handlung ist wenig originell und es gibt keine Überraschungseffekte. Die Figur der Maria ist dafür unfassbar charmant und die Dialoge der Reichen so bekloppt, dass man ungläubig schnaufen muss. Auch die Konstellation der Tischgesellschaft ist ein Fest. Da trifft trockener britischer Humor auf französischen Sexappeal und amerikanisches „Too Much of Everything“.

Toni Collette spielt die Anne bissig und kalt, aber grandios. Die Drohungen, mit denen sie Maria davon abhalten möchte David zu treffen, lassen einem das Blut in den Adern gefrieren. Dahinter steckt am Ende jedoch auch nur eine zurückgewiesene, frustrierte und sehr traurige Frau.

Übrigens: Der Song des Films ist der Ketchup Song.

Ein Herz für Fr. Schneider

Schlechtester Dialog

Beim Zusammenprall der sozialen Klassen fehlt es nicht an rassistischen und sexistischen Kommentaren. Noch nie habe ich in einer Sneak so viele Dialoge notiert.

Das Highlight:

Anne und Bob sprechen über Marie. Während Anne überhaupt nicht verstehen kann, was ein Mann an Maria finden kann, ist sie für Bob durchaus charmant. Besonders hat es ihm ihr Hinterteil angetan, dass er ausgiebig bespricht.

Bob: „Is vacuum cleaning the new pilates, or what?”

Reaktionen aus dem Publikum

Schnaufen, prusten, lachen. Interessant, dass die meisten Lacher immer nach Sprüchen unter der Gürtellinie zu vernehmen waren. #evilaudience

Kennst Du schon die letzte Sneak zu Battle of the Sexes?

Äh, und der Bechdel-Test?

Tatsächlich bestanden. Anne und Maria haben viele Gesprächsthemen. Anne macht sie aber ständig runter und piesakt sie mit biestigen Kommentaren.

Fazit

Tolle Schauspieler, nette Unterhaltung und gute Dialoge. Madame ist Sehenswert.

Bildquelle: filmstarts.de

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