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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Eine unter vielen Filmadaptionen des Romanklassikers »Little Women« von 1869 ist die Neuverfilmung Greta Gerwigs. Hält die Regisseurin ihr hohes Niveau nach der Nominierung für die beste Regie von »Lady Bird«?

Langsam öffnet sie die Augen und schaut sich um. Der Nacken ist steif. Schon wieder auf dem Dachboden-Sofa eingeschlafen! Eine lange Nacht des Schreibens liegt hinter ihr. Die Treppen hinunterrennend hört sie lautes Gelächter und Kreischerei. Mit sechs Frauen unter einem Dach ist sie dies gewohnt.

Little Women/ Greta Gerwig/ USA/ 2019/ 135 Minuten

Die Story

Jo March (Saoirse Ronan) lebt mit ihren drei sehr unterschiedlichen Schwestern, ihrer Mutter und Haushälterin, im Vergleich eher bescheiden, in einem großen Haus. Jo will nicht, wie es ihr die Gesellschaft vorlebt und ihre Tante (Meryl Streep) versucht einzutrichten, heiraten, sondern selber für ihren Unterhalt sorgen – auch wenn sie vom charmanten und albernen Theodore ‚Laurie‘ Laurence (Timothée Chalamet) ein Heiratsangebot erhält. Besonders als ihre Schwester krank wird, geht sie nach New York, um dort als Schriftstellerin und Lehrerin Geld zu verdienen. Ihr Meisterwerk soll die Geschichte über ihr Leben mit ihren Schwestern werden.

Und, wie finden wir das?

Unspektakuläres und unterdurchschnittliches Kinoerlebnis. Für Kenner des Buches, des Plots oder anderen Verfilmungen, erwartet man unter Umständen eine neue, modernere Herangehensweise. Der Film bleibt altmodisch, ein typischer Plot des 19. Jahrhunderts ohne neuartigem Twist. Gemäß dem Klassiker gibt es für die damalige Zeit zwar feministische Ansätze – zum Beispiel, dass Jo nicht heiraten mochte –, die heutzutage eher als selbstverständlich gelten.

Klar, die Geschichte wird nun gestochen scharf, voll saturiert mit jungen, berühmten und feschen Schauspielern und viel Investment hollywoodreif produziert. Nur vergebens wird versucht etwas Sentimentalität zu vermitteln. Es bleibt bei einem fröhlichen Durcheinander, mehr nicht.

Für absolute Liebhaber des mitunter kitschigen Plots oder auch für die junge Generation, die andere Verfilmungen bisher nicht kennt, einfach ein neu ausschauender, runder Film. Für den Rest langweilig.

Schlechtester Dialog

Die eindeutig kindische Reaktion Jos auf ein konstruktives Gespräch:

»Noone will forget Jo March. We are not friends. You are not my friend. Don’t talk to me anymore. Frankly, I don’t like you very much.«

Wenigstens sieht sie es eine Filmstunde später ein.

Reaktionen aus dem Publikum

Mehrere Gäste verabschieden sich vereinzelt aus dem Kino. »Scheiß Film!« murmelt einer. Andere beschweren sich anschließend über die kleine Welt von damals, quasi jeder-kennt-jeden und jeder-kann-irgendwie-alles. Eine kleine Gruppe von jungen Frauen freute sich über den Film.

Äh, und der Bechdel-Test?!

Bestanden. Emanzipation in Babyschuhen.

Fazit

Kein Film fürs Kino. Eine Neuverfilmung exakt nach der Romanvorlage, altmodisch in neuem Glanz. Mir reicht die Adaption von 1994.

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Letztes Mal in der Sneak: Ach, was lustige Nazis in »Jojo Rabbit«.

Passend zum Thema: Unsere Rezension von »Lady Bird«

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