Zum Seiteninhalt

ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Nach »Oh Boy« folgt nun Oh »Lara« – unter der Regie von Jan-Ole Gerster erhielt die Erzählung zwischen Klaviermusik und Kontaktabbruch zahlreiche Auszeichnungen, wie u.a. den Gilde-Filmpreis 2019 als bester nationaler Film.

Laras verstimmtes Gesicht – undzwar als-nächstes-kletter-ich-hier-aus-dem-Fenster-verstimmt. Dagegen nicht verstimmt, da nicht mehr vorhanden: das Klavier, das in ihrer Wohnung stand und nun nur noch eine Lücke hinterlässt.

Lara / Jan-Ole Gerster / Deutschland / 2019/ 98 Minuten

Die Story

Der Film handelt, wer hätte das nach dem Titel erwartet, von Lara alias Mrs. Jenkins (Corinna Harfouch). Eine adrette Dame aus West-Berlin, die allein lebt und heute ihren 60. Geburtstag feiert. Dazu ist es auch noch der wichtigste Tag im Leben ihres Sohnes Victor (Tom Schilling), zu dem sie seit mehreren Monaten keinen Kontakt hat. Trotzdem nimmt sie sich vor das Klavierkonzert ihres Sohnes, dem sie selbst das Klavierspielen beigebracht hat, zu besuchen. Die gesamte Handlung spielt sich innerhalb eines Tages in Berlin ab, an dem Lara einigen Menschen aus ihrem direkten Umfeld begegnet, diesen Karten für das Konzert schenkt und beginnt, Beziehungen und ihr Leben zu reflektieren.

Und, wie finden wir das?

Insgesamt eher traurig. Allein am eigenen Geburtstag zu sein ist per se schon mal traurig. Allein am Geburtstag, weil man alle anderen Menschen, Familie, Freunde von sich wegstößt, noch viel trauriger. 

Lara begegnet einigen Bekannten: Nachbarn, ehemaligen Kollegen, ihrem ehemaligen Klavierlehrer, ihrer Mutter… Zu keinem davon war sie bisher und ist sie auch heute so richtig nett. (Es sei denn das Musikinstrument ihrer Schwiegertochter in spe zu ruinieren gilt neuerdings als nette Geste.) Trotzdem wundert sich Lara etwa 90 der 98 Minuten über ihre Einsamkeit und das zerbrochene Verhältnis zu ihrem Sohn, den sie seit jeher viel zu sehr unter Druck gesetzt hat, da sie ihr eigenes künstlerisches Scheitern auf ihn überträgt. 

Visuell und akustisch ist der Film auf jeden Fall gut genießbar. Weitwinkelaufnahmen von Berliner Schauplätzen in Kombination mit klassischer Klaviermusik tragen zur gelungenen Unterhaltung bei, können jedoch die Verbitterung, die Lara ausstrahlt, kaum wett machen. Umso besser wird aber die take home message transportiert, die zeigt, dass einem nicht alles und jeder egal sein muss, und, dass positives Feedback noch niemandem geschadet hat.

Schlechtester Dialog

Lara möchte unter anderem ihrem ehemaligen Klavierlehrer eine Konzertkarte überreichen und fängt ihn deshalb bei einer Unterrichtsstunde ab, trifft aber nur seinen Schüler am Flügel an. Ohne den Jungen schon mal gesehen zu haben, setzt sie sich zu ihm.

Lara: »Na, was spielst du denn? Spiel es mir doch mal vor.«

Der Junge spielt.

Lara: »War doch gar nicht so schlimm. Gleich nochmal. Los, Tempo, Tempo, Tempo. Allegretto!«

Der Junge spielt und spielt und spielt bis zur Verzweiflung.

Lara: »Wie alt bist du denn?«

Junge: »13.«

Lara: »13… 13… 13…« (Streichelt dabei seine Hand)

Reaktionen aus dem Publikum

Die Reaktionen aus dem Publikum waren schwer zu lesen. Niemand verließ frühzeitig den Saal, nach den ersten fünf Wörtern des Abspanns war der Saal aber fast leer. Gelacht wurde zwischendurch auch.

Äh, und der Bechdel-Test?

Sowas von bestanden. Lara ist der Mittelpunkt des Films und auch im Gespräch mit zahlreichen anderen Frauen, die ihr jedoch allesamt nicht all zu sehr am Herzen zu liegen scheinen.

Fazit

Die Premiere im grauen November passt gut zur allgemeinen Stimmung des Filmes, der aufgrund von akustischen und visuellen Highlights durchaus sehenswert ist, aber mit der Gesamthandlung den Zuschauer eher leicht deprimiert aus dem Saal schleichen lässt.

Du hast Lust auf mehr vom ZurQuelle-Magazin? Dann schau hier!

Letzte Woche in der Sneak: Jugendliche Überheblichkeit, over the top und extra. »Booksmart«.

Alle guten Dinge sind 7! Das Siebte Harry Potter Quiz steht am 12. und 13. November an. Tickets findet ihr in unserem Shop.

Bestellt euch hier die wunderschöne Printausgabe. Oder holt euch gleich ein Abo. Unterstützt uns bei Steady. Und kommt doch einfach mal vorbei. 

Du hast Lust auf mehr vom ZurQuelle Magazin? Wir freuen uns auf dich bei FacebookTwitter und Instagram.