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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Unsere Autorin Lisa bekam in der Sneak den Oscar-nominierten Film »Der Affront« zu sehen. »Von der Mücke zum Elefanten« bekommt hier im Libanon eine ganz neue Dimension.

Ein Holzkreuz baumelt vom Rückspiegel. Vor der Frontscheibe ziehen sandige Straßen Beiruts vorbei. Der Fahrer biegt in eine Wohngegend und landet an dem Ort, an dem alles beginnt: eine Baustelle vor einem roten Wohnhaus.

Der Affront, Ziad Doueiri, Libanon

Die Story

Es ist mittags als Toni (Adel Karam) die Pflanzen auf seinem Balkon gießt und wohl etwas zu sehr mit der Gießkanne ausholt. Außerdem läuft Wasser durch ein illegal angebrachtes Abflussrohr und trifft den Vorarbeiter Yasser (Kamel El Basha), der mit Bauarbeiten unten auf der Straße beschäftigt ist. Eins kommt zum anderen und schließlich beleidigt letzterer den verbitterten Toni.

Yasser ist Palästinenser. Für ihn sind Leute wie Toni schuld an der Diskriminierung, die er als Palästinenser in Beirut täglich erlebt. Für Toni, der als Kind das Massaker der Palästinenser an den Christen in Damur miterlebte, ist Yasser umgekehrt ein Verbrecher. Auf das Drängen des Chefs hin, der um Yassers Arbeitserlaubnis bangt, geht Yasser schließlich zu Toni, um sich zu entschuldigen, aber die Situation eskaliert. Der streitlustige Toni pöbelt, Ariel Sharon hätte die Palästinenser besser ausrotten lassen sollen. Yasser bricht ihm daraufhin in Rage zwei Rippen.

Natürlich landet der Fall vor Gericht und plötzlich auch in den Medien. Es kommt zur Bildung von zwei Lagern und sogar zu öffentlichen Ausschreitungen zwischen Christen und Palästinensern auf den Straßen. Längst geht es nicht mehr bloß um den anfänglich harmlosen Streit, sondern um die Frage, wer hier wessen Opfer ist. Und letztlich scheint sich alle Welt mehr für den Ausgang des Prozesses zu interessieren, als die beiden Männer es tun.

Und, wie finden wir das?

Selbst für Zuschauende ohne Vorwissen über den Konflikt zwischen im Libanon lebenden Palästinensern und Christen, erschließt sich das Wichtigste, um den Film im Laufe der Handlung zu verstehen. Während der Fall immer komplexer wird, werden mit ihm die Dimensionen der Beleidigungen und die einzelnen Charaktere immer nachvollziehbarer. Auch wenn die halbwissenden Kinogäste manches erst durch weitere Recherche verstehen werden, ist es ein sehr spannender Einstiegspunkt.

Schlechtester Dialog

Jemand hält ein Getriebe der Firma »Boch« in der Hand und sagt: »Das ist deutsch.«

»Da fehlt ein S.«

»Deutsch ist immer noch besser als chinesisch.«

Reaktionen aus dem Publikum

Eher Schweigen, der ernsten Thematik gemäß.

Äh, und der Bechdel-Test?

Nicht bestanden. Leider sind die Szenen, in denen die Anwältin ihren Mandanten vor der Richterin verteidigt, die einzigen, in denen sich zwei Frauen miteinander unterhalten.

Fazit

Überraschend und bereichernd.

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Es ist doch sowieso schon Teil von uns: ein Herz für Mikroplastik.

Leonie sah sich an, wie Fundi-Christen beim »Marsch für das Leben« weiße Kreuze schwingen.

In der letzten Sneak: Telefondienst statt Dienstwaffe in »The Guilty«.

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