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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Nach seinem letzten Kinoprojekt »Thor – Tag der Entscheidung« widmet sich Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Taika Waititi nun der Verfilmung des Buches »Caging Skies« von Christine Leunens.

Erst Tauziehen, dann Kriegsspiele und schließlich noch Bücher verbrennen – die kleinen Teilnehmer des Jungvolk-Camps sind begeistert. Nur, als es dann daran geht, einem Hasen dem Hals umzudrehen, um Tötungsbereitschaft zu demonstrieren, wird es dem ein oder anderem dann doch etwas mulmig zumute.

Jojo Rabbit/ Taika Waititi/ USA/ 2019/ 108 Minuten

Die Story

So wirklich gut läuft es für den kleinen, überzeugten Nazi Johannes »Jojo Rabbit« (Roman Griffin Davis) gegen Ende des 2. Weltkriegs ja nicht. Erst explodiert ihm bei besagtem Jungvolk-Camp eine Handgranate durch eigenes Verschulden ins Gesicht, und dann entdeckt er auch noch, dass seine Mutter Rosie (Scarlett Johansson) die Jüdin Elsa (Thomasin McKenzie) bei ihnen im Haus versteckt. Einfach ausliefern geht nicht, weil das auf die Mutter zurückfallen würde, und so muss sich Jojo wohl oder übel mit der Situation arrangieren – und lernt dabei einige wertvolle Lektionen über Menschlichkeit und die Fehler der Nazis, bis dann schließlich die Amerikaner vor den Türen der Stadt stehen.

Und, wie finden wir das?

Inkonsequent. Auf der einen Seite werden die Geschehnisse im späten Nazi-Deutschland mit viel skurrilem, mitunter slapstickhaftem Humor dargestellt, wohl am besten exempliert durch den von Waititi persönlich gespielten Adolf Hitler, der Jojo als imaginärer Freund erscheint. Andererseits scheut der Film auch nicht vor der Darstellung der Grausamkeiten des NS-Regimes zurück, inklusive massivem Antisemitismus, öffentlich zur Schau gestellter Gehenkten, sowie Kindersoldaten. Auch die amerikanischen Soldaten dürfen das ein oder andere Kriegsverbrecher verüben – seltsam unreflektiert allerdings. Alles in allem sorgt das für extreme Stimmungsschwankungen, und so ganz will mir nicht klar werden, was von mir erwartet wird: Soll ich lachen, schockiert sein oder durch das am Ende angehängte Rilke-Zitat mit bittersüßer Hoffnung in die Zukunft blicken? Hätte eines davon nicht gereicht?

Schlechtester Dialog

Zu »Woran erkennt man den Juden? Hörner, Schuppen, Schlangenzunge.« muss man wohl nicht viel sagen. 

Mir persönlich geht aber vor allem irgendwann das Geschwafel des imaginierten Hitlers in seiner absurden Überzogenheit auf die Nerven: »Ich werde heute zum Abendbrot Einhorn essen.«

Reaktionen aus dem Publikum

Bei den Szenen, die klar als Comedy zu erkennen sind, wird auf jeden Fall nicht so viel gelacht, wie man das zu anderer Zeit im Kino schon mal hörte. Und ein paar Leute verlassen den Saal relativ früh.

Äh, und der Bechdel-Test?!

Bestanden, wenn auch nur in den wenigen Unterhaltungen, welche Rosie und Elsa miteinander haben.

Fazit

Ich kann durchaus sehen, was hier erreicht werden sollte, doch ultimativ scheitert »Jojo Rabbit« einfach daran, dass seine einzelnen Teile zu disparat sind, der Humor zu abgedreht, das Dramatische zu düster, um wirklich zueinander passen zu können. Weniger oder eingleisiger wäre hier mehr gewesen.

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