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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Er hat bei der Berlinale 2018 nicht nur eine Premiere gehabt: Der deutsche Shootingstar Franz Rogowski begeistert mit seiner kindlichen Art in der Rolle des »In den Gängen«-Christian ebenso wie im Film »Transit«. Aber kann das Ensemble in seiner Gesamtheit als liebevoll authentisch überzeugen?

Großmarkt-Romantik neben der Autobahn 6. Idylle irgendwo in Ostdeutschland. Warum nach Ibiza, wenn man einen Heizstrahler und eine Plastikliege hat? Warum die weite See, wenn der Gabelstapler sich genauso anhört und die Frischfischabteilung »das Meer« ist?

In den Gängen / Thomas Stuber / Deutschland 2018

Die Story

Christian ist ein ruhiger, zurückhaltender Kerl. Er hat viele Tattoos und kommt aus dem und vom Bau. Als er beginnt im Großmarkt zu arbeiten, lernt er Bruno kennen und schätzen. Er ist sein Mentor und gemeinsam erledigen sie Nachtschichten und Gabelstaplerfahrten. Miss Süßwaren, Marion, mag Christian gern. Er umwirbt sie, romantisch, aber vorsichtig. Schafft Christian die Probezeit und seinen Gabelstaplerführerschein?

Und, wie finden wir das?

Inmitten der Einöde werden auch kleinste Action-Geschehen als störende Unterbrechung wahrgenommen. Der fließende Alltag im Großmarkt wird von Christian im O-Ton beschrieben, kaum bewertet. Da bleibt es uns überlassen zu fragen, ob er glücklich ist, ob die anderen in der Routine glücklich sind. Sind wir es? Sehr subtil anregend.

Schlechtester Dialog

Marion: Dachte, du hast mich schon vergessen, Frischling.

Christian: Tu ich nicht.

Marion: Bist du schon ganz allein?

Christian: Ich bin noch bei Jürgen.

Reaktionen aus dem Publikum

Lachen an den richtigen Stellen. Ein Hauch von Fremdschämen: Kopf in den Nacken, Hand auf die Stirn. Man sieht förmlich die Fragezeichen aufblitzen: »Warum macht er das?«.

Äh, und der Bechdel-Test?

Eher nicht bestanden. Die »Weiber« tauchen einmal in einer Gruppe auf und da sagt die eine zur anderen, dass sie ja noch einen Kuchen backen wollte. Keine zwei Frauen unterhalten sich, dafür reden sie übereinander mit den männlichen Protagonisten und das dann positiv und gehaltvoll.

Fazit

Was für eine wohltuende sanfte Kameraführung – sogar symmetrische Standbilder wie bei Wes Anderson sind zu finden. Dazu eine repetitiv harmonische Choreographie mit Gabelstapler und Kaffeeautomaten, die eine malerische Ästhetik prägen. Viel Liebe zum Detail in Montage und Musik sind deutlich. Für Kinematographie-»Frischlinge« und Liebhaber ein Genuss auch mal aus deutscher Produktion.

Außer »In den Gängen« kann man sich das hier geben:

Eine verdiente Abreibung für Slackline-Arschlöcher.

Eine Ode an die Hochkultur verkörpert durch den Eurovision Songcontest.

Die Review des Films „Was werden die anderen sagen“ der letzten Sneak.

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