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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Der neueste Film von Regisseurin Lorene Scafaria basiert auf einem wahren Stripper vs. Wall Street Kriminalfall, der durch den New York Times Artikel „The Hustlers at Scores“ besondere Aufmerksamkeit erlangte.

Das Neonlicht strahlt hellweiß von der niedrigen Decke herab. Der graue PVC Boden lehnt es ab es zu reflektieren. Die vergilbten Spinde quietschen. Es liegen Overknee-High-Heels in Lackoptik, lilafarbene Glitzer-Strings und ultrapinke Federschals herum. Deren Besitzerinnen kleben ihre Wimpern an und beschweren sich über ihr Liebesleben und überhaupt alle Männer.

Hustlers / Lorene Scafaria/ USA/ 2019/ 107 Minuten

Die Story

Dorothy/Destiny (Constance Wu) ist die Neue in einem Stripclub in Manhattan, doch das Geschäft ist schwerfällig. Sie knüpft Bekanntschaft mit ihrer erfahrenen Kollegin Ramona (Jennifer Lopez), mit der sie gemeinsam die reiche Kundschaft – zumeist Wall Street Börsenmarkler – bedient. Nach dem Börsencrash bleibt der Stripclub jedoch leer. Mit fragwürdigen Methoden versuchen sie neue Kundschaft anzulocken und auszubeuten. Wie lange kann das Erfolg haben?

Und, wie finden wir das?

Typisch US-amerikanischer Film. Er strotzt vor Dekadenz und Materialismus, verkörpert den amerikanischen Traum. Die Anzahl an slowmotion-empowered-girl-gang-entrances ist in »Hustlers« rekordverdächtig. Einige Dialoge konnten aber noch überraschen!

Der Inhalt des Films ist nahezu vollständig getreu dem Artikel von Jessica Pressler. Diese wird von Julia Stiles verkörpert, die die ganze Geschichte in einem Interview nacherzählt bekommt. Leider wird diese Art von Erzählperspektive nur zum Schluss ästhetisch zum Vorteil ausgereizt.

Die Zeitspanne von 2007 bis 2015 wird mit peinlicher Mode und populärer Musik (u.a. David Guetta, Pitbull) unterstrichen. Nennenswert ist zudem, dass neben Jennifer Lopez weitere Rap, Trap, R’n’B Künstler wie Cardi B, Lizzo, Keke Palmer und Usher die Atmosphäre akzentuieren und beträchtlich vorkommen.

Schlechtester Dialog

Korpulenter Kunde mittleren Alters an der Stripclub-Bar zu Destiny: »Deine Handschrift ist so gut. Daraus kann man eine Schrift für den Computer machen.«

Destiny in unschuldiger Stimme: »Aber ich habe keinen Computer. Wahrscheinlich ist deswegen meine Handschrift so gut.«

Reaktionen aus dem Publikum

Meine Begleitung hielt sich bei der Musik die Ohren zu, zum Spaß, aber in jedem Spaß steckt auch was Ernstes. Lol. Das Publikum blieb sehr ruhig und unbeeindruckt. Oder war da vielleicht Scham im Spiel? Ist doch der perfekte Film fürs erste Date?!

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden. Konversationen fast ausschließlich unter Frauen. Es geht um Familie, Mutterschaft, Freundschaft, Erfolg, Wünsche und Ambitionen. Aber auch um viel oberflächliches.

Fazit

Mittelmäßiges Filmerlebnis. Wer die Künstler und den Musikstil mag, hat etwas mehr davon. Für die Story ist der Artikel genauso ausführlich und anregend. Teilweise interessante filmästhetische Ansätze, doch unter einem Gewicht von Prunk, Dekadenz und Amerika vergraben.

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