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Dass „Beautiful Boy“ auf wahren Begebenheiten beruht, glaubt man sofort. Ein Junge wird drogensüchtig – der Plot ist vertraut. Besonders ist aber: Sein Vater gibt ihn nicht auf.

Wer bist du? Fragt der Vater seinen Sohn. Sie sitzen sich gegenüber im Café, seit Monaten haben sie sich nicht gesehen. Nic stottert. Seine Haut ist ausgemergelt, die fettigen Locken hängen im Gesicht. Will er die Welt vor sich schützen oder sich vor ihr verstecken? Dann blickt er auf, verzweifelt: So ist er jetzt nunmal.

Die Story

David Sheff (Steve Carell) liebt seinen Sohn so sehr wie nichts auf der Welt. Als Nicolas (Timothée Chalamet) noch klein ist, ist das leicht: Sie gehen zusammen surfen oder albern auf klingonisch herum. Doch je älter Nicolas wird, desto weniger versteht der Vater, was in dessen Kopf vor sich geht. Nicolas kommt immer unzuverlässiger nach Hause, wirkt verwirrt und unausgeglichen. Bald lässt sich das Offensichtliche nicht mehr verheimlichen: Nicolas experimentiert mit Drogen. Und die Experimente entwickeln sich mit beständiger Geschwindigkeit zu einer handfesten Sucht.

Und, wie finden wir das?

Eine behutsam erzählte Geschichte über einen Vater, der seinen Sohn nicht aufgeben kann. Zwischen Hoffnung und inneren Dämonen, Entzug und Rückfall wird klar, dass Drogen nie die Ursache, sondern das Symptom der Krankheit Sucht sind. Das Loch, dass Nicolas versucht, mit Chrystal Meth zu stopfen – es kommt einem verdammt bekannt vor. Vielleicht berührt “Beautiful Boy” deshalb auch so sehr. Wie schmerzhaft dieser jahrelange Prozess für Angehörige oft ist und wie viel er ihnen abverlangt, hat Felix van Groeningen aufmerksam eingefangen. Großartig besetzt mit Steve Carell und Timothée Chalamet entspannt sich ein intensives Vater-Sohn-Drama um eine Beziehung auf Zerreißprobe. Genau wie Nicolas’ Familie rätselt man als Zuschauer immer weiter: Warum macht sich der Junge so kaputt? Ist es vielleicht die einengende Liebe des Vaters? Die Pubertät? Die Trennung der Eltern? Sein Charakter?

Schlechtester Dialog

Manchmal wirds ein bisschen zu süß. Immer wenn Vater und Sohn sich voneinander verabschieden, umarmen sie sich fest und flüstern einander ins Ohr: “Everything”.

Reaktionen aus dem Publikum

Für volle fünf Minuten ist das Licht im Saal an, während der Film schon läuft. Menschen werden unruhig, werfen Popcorn. Schließlich öffnet sich die Tür, panisch läuft der Kinokartenabreißer nach hinten und findet endlich den Schalter.

Äh, und der Bechdel-Test?

Nicht bestanden. Ist in einem Vater-Sohn-Drama aber vielleicht verzeihbar.

Fazit

Schöner Film, der auf wahren Begebenheiten beruht. Macht ein bisschen traurig, ein bisschen glücklich.

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