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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Der Roman von Daniel Glattauer ist ein internationaler Bestseller, nun folgt die Filmadaption von Vanessa Jopp – kann diese an den Erfolg anschließen?

Im Supermarkt: Er auf der linken Seite des Regals, sie auf der rechten. Zwischen ihnen nur etwas Holz, eingelegte Oliven und andere Köstlichkeiten, die von ihren E-Mails durchdrungen werden müssen. Ach, wenn sie das doch nur wüssten, nur ein kleiner Schritt um die Ecke … doch dann muss er schnell weg, und sie beide bleiben ahnungslos.

Gut gegen Nordwind / Vanessa Jopp / Deutschland / 2018 / 123 Minuten

Die Story

Emma/Emmi (Nora Tschirner) möchte ein Zeitschriftenabonnement per E-Mail kündigen, vertippt sich aber in der Adresse und erreicht stattdessen den gerade von seiner Freundin verlassenen Linguistiker Leo (Alexander Fehling). Ein Massen-E-Mail-Weihnachtsgruß zu viel und Leo antwortet genervt, Emma daraufhin schnippisch zurück, ein bisschen hin und her, und schon schreibt man sich ein halbes Jahr lang intimste Bekenntnisse und verliebt sich ineinander – wie sich das eben so gehört. Blöd nur, dass Emma verheiratet ist und der Wunsch vom Digitalen ins Physische zu gehen von beiden Seiten immer stärker wird.

Und, wie finden wir das?

Ein mahnender Finger in Richtung des digitalen Suchtverhaltens? Eine Warnung vor der Destruktivität unrealistischer Wunschbilder? Es ist ehrlich gesagt interessanter den Film auf solche eher unintendierte Lehren zu untersuchen, als seiner Prämisse aufrichtig zu folgen. Viel Herzschmerz, mal poppige, mal orchestrale, aber immer vor Schmalz und Melancholie triefende Musik. Hach ja, die Mutter stirbt. Oh nein, der Ehemann hat die E-Mails gelesen. Erst einmal wieder die Protagonisten beim Schreiben am Laptop mit Voiceover zeigen. Gähn.

Schlechtester Dialog

50 bis 80% des E-Mail-Kontaktes zwischen schlechtem Humor, banaler Poesie und den wahrlich herzzerreißenden Problemen attraktiver, gutverdienender Mitte Dreißiger, die zunehmend die Fähigkeit zur analogen Kommunikation zu verlieren scheinen. Für ein genaues Beispiel ist mir irgendwann die erforderliche Konzentration abhanden gegangen.

Reaktionen aus dem Publikum

Unbekannt bis nicht-existent. Und dann geht der Film so lange (zu lange), dass ich schnell los muss, um meine letzte gute Verbindung noch zu bekommen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Gerade so bestanden, als Emma mit ihrer quasi-Tochter Fiona zwar auch über den süßen Jungen in der Schule redet, vorher aber noch ein Gespräch über den geplanten gemeinsamen Urlaub absolviert – puh, das war haarscharf.

Fazit

Vielleicht bin ich einfach der ganz falsche Rezipient für so ein Werk. Vielleicht ist es aber auch wirklich schlecht, was hier vorgesetzt wurde. Und ziemlich sicher meine erste von dutzenden Sneaks, bei denen ich vorzeitig das Kino verlassen wollte – aber irgendjemand muss euch ja warnen.

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