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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Get Out: ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche. Wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das.

Nachts. Chris steht noch einmal auf, um eine zu rauchen. Die Landschaft vor dem Haus entfaltet sich im Mondlicht, der Rasen schimmert bläulich. Er tritt auf die Zufahrt. Jemand rennt, rennt auf ihn zu. Es ist Walter, der Schwarze Gärtner, der wie angewurzelt den Weg gesäumt hat, als Chris mit dem Auto ankam. Er rennt auf ihn zu wie bei den 100 Meter Sprints bei der WM, bis – (….Spoiler).

Get Out, Jordan Peele, USA 2017

Die Story

Chris Washington (Daniel Kaluuya), wie der Name schon sagt All American Boy, außerdem Schwarz, und Rose Armitage (Allison Williams), All American Girl, weiß wie aus der Tommy-Hilfiger-Werbung, sind seit vier (glaubt er) oder fünf (findet sie) Monaten ein Paar. Sie fahren übers Wochenende zu ihren Eltern, auch weiß, zum Kennenlernen aufs Land. Ein Horrormovie. Es gibt auch eine Party.

Und, wie finden wir das?

Es lief doch alles so prima! Die Vereinigten Staaten von Amerika wurden eine Wirtschaftsmacht mit billigen Arbeitskräften, kluger Planwirtschaft (Baumwolle in vernünftig großen Plantagen) und dem allgemeinen Recht auf das Streben nach Glück. Ein bisschen unheimlich war es schon, dass die Schwarzen Bediensteten mit ihrem Gesichtsausdruck immer etwas anderes zu sagen schienen als das, was sie dann tatsächlich äußerten („Yes, Ma‘am“).

Rassimus wird mit fundierter Tradition und viel Erfahrung praktiziert. Sklaverei, schlecht bezahlte Hausangestellte, der Profisport (Chris wird im Film gefragt „Warum bist du kein Sportler? Mit deinem Genmatieral und deinem Körperbau wärst du ein verdammtes Tier“). In ihnen lebt ja noch das wilde Afrika. Sehr unheimlich, diese Naturverbundenheit. Normalerweise ist das der Schwerpunkt von Hollywoodhorror. Hier stecken wir aber in Chris‘ Schuhen. Und erleben, was passiert, wenn weiße in die Haut von Schwarzen schlüpfen wollen. Und da fängt der Horror erst an. „People want to be stronger, cooler, like black people.“  „I want your eye. I want those things that you see.“ Die Liebe des weißen Mannes ist noch gefährlicher als seine Verachtung, auch wenn die auch schon nicht ganz ohne ist (siehe Geschichtsbücher oder wahlweise Nachrichten).

„Get Out“ ist ein wörtlich gemeinter, gut gemeinter Ratschlag.  Endlich mal ein Film, der sich dem Horror stellt, was passiert, wenn aus weißer Perspektive alles echt prima läuft.

Gruseligster Dialog

„Noo noo noo noo no no no no. The Armitages are so good to us, they treat us like family.“ Georgina (Schwarze Hausangestelle) völlig aus dem Kontext, als sie sich entschuldigen will (soll?), dass sie das Ladekabel aus Chris‘ Mobiltelefon entfernt und nicht wieder angesteckt hat.

Reaktionen aus dem Publikum

Ab und zu erschrecktes Aufquieken und die lautstarke Luftdekompression, wenn zu lange angehaltener Atem entweicht. Leichte Lacher die dem Quieken folgen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Ja. Roses Mutter Misty rät der Schwarzen Hausangestellten Georgina, sich doch vielleicht hinzulegen, nachdem sie fast ein Glas mit Eistee zum Überlaufen gebracht hat.

Hier geht’s zur Sneak Review von Elle (für alle, die sich gern gruseln)

Fazit

Dieser Film versteht sich auf den Gruselfaktor Realität, die nicht aufhört, wenn man den Kinosaal verlässt, und versetzt den brisanten Cocktail mit hochprozentiger Schauspielerleistung und Soundeffekten nach allen Regeln der Kunst.

Bild: Filmstarts.de