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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Mit dieser fiktionalisierten Verfilmung einer wahren Geschichte gewann der französische Regisseur François Ozon auf der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären – zu Recht?

Julie wird mitten in der Nacht von lautem Schlagzeugspiel geweckt. In der offenen Garage findet sie ihren Mann François vor dem Schlagzeugkit, über die Rhythmen stolpernd. Ob denn alles okay ist? Nein, offensichtlich ist es das nicht.

Gelobt sei Gott (OT: Grâce à Dieu)/ François Ozon / Frankreich, Belgien / 2018 / 137 Minuten

Die Story

Im Zentrum des Films stehen drei Männer, Alexandre (Melvil Poupaud), François (Denis Ménochet) und Emmanuel (Swann Aurlaud), die alle drei ein Schicksal teilen: Als Kinder wurden sie in katholischen Pfadfinderlagern von dem Priester Preynat (Bernard Varley) sexuell missbraucht. Nacheinander – mitunter auch durcheinander – erfahren sie davon, dass Preynat mittlerweile Kardinal ist und noch immer mit Kindern zu tun hat. Um das zu ändern, kämpfen sie gemeinsam mit weiteren Opfern für kirchliche, gerichtliche und öffentliche Gerechtigkeit, sowie mit den Narben in ihrem Inneren, die nun – manchmal zum ersten Mal – aufbrechen.

Und, wie finden wir das?

Irgendwie etwas zu schwach. Interessanterweise wird der Film besser, je länger er läuft, was wohl auch an dem Wechsel der zentralen Charaktere von Alexandre zu François zu Emmanuel liegt, weil letztere schlicht interessanter in ihren Emotionen und ihrem Umfeld sind. Gleichzeitig ist der Film aber mit seinen über zwei Stunden Laufzeit dann auch wieder zu lang, weil weder Schauspiel, noch Inszenierung oder Musik einen wirklich mitreißen können, so dass man sich am Ende denkt, dass etwas mehr Fokus und Kondensierung dem Film doch gut getan hätte.

Schlechtester Dialog

Kein direkter Dialog, aber gerade zu Beginn des Filmes folgen sicher ein Dutzend im Voiceover vorgetragene Briefe nah aneinander, was extrem schnell ermüdet und ein Teil der generell Schwäche des ersten Filmteils ist, der sicher eleganter zu lösen gewesen sein könnte.

Reaktionen aus dem Publikum

Begeisterung ist nicht wirklich zu spüren. Gelegentlich gibt es lautstarke Empörung von diesem größtenteils jungem, studentischen Kinopublikum über die Aussprüche der kirchlichen Vertreter, aber auch merkbares Unverständnis gegenüber dem unironisch präsentierten Glauben von Alexandre.

Äh, und der Bechdel-Test?

Durchgefallen. Zwar gibt es einige weibliche Nebencharaktere, diese dürfen aber höchstens in Gruppengesprächen aufeinander treffen, und wirklich miteinander reden ist das auch nicht. Aber immerhin dürfen sie immer das Essen auftischen.

Fazit

»Gelobt sei Gott« ist beileibe kein schlechter Film – aber auch in keinster Weise ein besonders herausragender. Vielleicht hätte die eine Zutat länger angebraten werden müssen, oder von dem Gewürz etwas mehr reingekonnt, und der Eintopf wäre wirklich gelungen gewesen.

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