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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Regisseur Christian Alvart überträgt den spanischen Thriller »La Isla mínima« in seinem neuesten Remake »Freies Land« in die ostdeutsche Nachwendezeit.

Ein Meer an Sumpf. Hohe Deiche. Schiffe auf Land. Rost auf Autos, Dächern und Gittern. Der Rauch der Industrie verschmilzt mit den immerwährenden, grauen Wolken, während nicht nur die Einheimischen in Frust ertrinken.

Freies Land / Christian Alvart/ Deutschland/ 2019/ 128 Minuten

Die Story

Es ist kurz nach der Wende. Im mecklenburgischen Dorf Löwitz laufen die jungen Leute vor der Armut davon, um ein neues Leben zu beginnen. Nun verschwinden auch zwei jugendliche Schwestern ohne Spur. Wessi, Patrick Steiner (Trystan Pütter), und Ossi und Ex-Stasi, Markus Bach (Felix Kramer), arbeiten als Kriminalpolizisten mit grundverschiedenen Methoden, um den frustrierten und misstrauischen Einheimischen jegliche Information herauszukitzeln. Bald ist klar, nicht die jungen Schwestern, sondern ein Serienmörder wird gesucht.

Und, wie finden wir das?

Hat was. Das gegensätzliche Polizeiduo muss sich durch das Kaff fragen und trachtet mühselig nach dann nur ernüchternden Antworten – echter old-school Charme. Der sepiaartige Schleier, die Drehorte und das Bühnenbild versetzen gelungen in die frühen Neunziger nach der Wende. Man spürt intrinsisch, aber vermisst nicht was man sieht. Konflikte in der Assimilierung für beide Parteien werden meist nur beiläufig angedeutet, denen der Zuschauer wenn überhaupt nur rasant aufgefasst versuchen kann einen Mehrwert abzugewinnen.

Felix Kramer, der auch schon in »Dogs of Berlin« mit Christian Alvart zusammenarbeitete, unterscheidet sich zwar durch seine Gewichtszunahme und Maske von seiner vorherigen Rolle, doch spielt ziemlich denselben fragwürdigen Bullen – das aber samt dem kompletten Cast sehr gut! Die Figuren sind durchweg mehr originell als generisch und lebhaft sickert durch, dass es keine echten good guys gibt.

Die Spielzeit, die den Hintergrundgeschichten der Hauptfiguren gewidmet wird, setzt dem Gefühl nach eine Fortsetzung voraus, doch da das (mehrmals ausgezeichnete, wohl bessere) Original das so nicht vorgibt, ist damit nicht zu rechnen und wirft Fragen über den eher leeren und unlogischen Ausgang der Story auf.

Schlechtester Dialog

Die zwei Ermittler streiten sich. Der Ossi wird vom Wessi der Stasi-Methoden bezichtigt. Der Ossi schlägt zu: »Halt’s Maul, du Besser-Wichser!« Ähm ja, Wortspiele können gut funktionieren oder nicht.

Reaktionen aus dem Publikum

Während der Vorführung sitzen alle still und starren auf die Leinwand. In der langen Schlangen zur Toilette (nach über zwei Stunden mehr als nötig) wird die Musik als paarungsfreudiger Walgesang bezeichnet. Sagen wir mal so, ohne Musik trotzdem noch sehenswert.

Äh, und der Bechdel-Test?!

Nicht bestanden. Zwar werden viele Frauen untereinander sprechend gezeigt, aber Inhalte oder Namen sind nicht bekannt.

Fazit

Pfiffiger Krimi mit Offlinemethoden, der nichtsdestotrotz deutlichere Aufklärung bedarf, aber insgesamt ein authentisches Gefühl der Nachwende-Tristesse vermittelt.

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