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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

What shall we do with the drunken sailor? ist nur eines der vielen Copyright-losen nautischen Shantys, die von den seit 2010 bei Universal Studios unter Vertrag stehenden The Fisherman’s Friends gesungen werden. Wie die Gruppe kommerziell wurde wird hoch-fiktional im gleichnamigen Film von Regisseur Chris Foggin aufgearbeitet.

Unruhiges Gewässer. Es schimmert grau. Kann grau schimmern? Silber ist es nicht, eher ein sehr dunkles und kühles blau, kombiniert mit der Reflektion trüber Wolken und dem Schatten endlos vieler Möwen. Viel Wasser. Sieht immer gleich aus. Die weite See und ihre Geschichten.

»Fisherman’s Friends«/ Chris Foggin/ U.K./ 2019/ 112 Minuten

Die Story

Gierige Musikbusiness-Tycoons verbringen ein Junggesellenabschieds-wochenende im kleinen Fischerdorf namens Port Isaac. Danny (Daniel Mays) wird von seinem Boss herausgefordert die örtliche Zehn-Mann-Gesangsgruppe von traditionellen Seemannsliedern allesamt unter Vertrag zu nehmen und zu managen. Diese Challenge stellt sich als nicht allzu leicht heraus, denn die Stadtmenschen kommen im authentisch rauen Dörfchen nicht gut an (Stichwort: Gentrifizierung), das Vertrauen muss sich verdient werden. Danny wachsen die Leute, die junge Mutter Alwyn (Tuppence Middleton) und selbst ihr mürrischer Vater Jim (James Purefoy) dann sehr ans Herz. He’s gone native.

Und, wie finden wir das?

Unglaublich vorhersehbar. Gigantisch generisch. Wahnsinnig kitschig. Typische Happy-End Erfolgsstory, die etappenmäßig und mit vielen Steinen auf dem Weg erzählt wird. Das kann man sich genauso gut in Veronika Ferres’ Sat.1 Filmen anschauen – damit sei gesagt, es schaut sich einfach wie ein Fernsehfilm an. Außer, dass der Hauptdarsteller nicht der typisch maskulin ausschauende Adonis ist.

Was heraussticht sind natürlich der grobe Seemannsjargon, die mit viel Augenzwinkern erzählten Redewendungen von Flüchen und Aberglaube strotzend, sowie der Acapellagesang voller Bass.

Schlechtester Dialog

Abseits dem unzähligen Beziehungskitsch jede drei Sekunden, werden zudem Stadtmenschen und das Stadtleben verteufelt. Besonders schmierig sind Danny und seine Freunde hier im Gespräch.

Dannys Boss: »Mammals are not monogamous.«

Anderer Freund: »Penguins are, though.« 

Danny: »They live on the South Pole. It’s bloody cold. For them monogamy is all about keeping their bollocks warm.«

Reaktionen aus dem Publikum

Ja, eine besonders heitere Gruppe hat es sich vorgenommen bei jedem übertriebenem Kitsch, ob im Dialog oder Bild, lauthals zu lachen. Das war dann durchgehend, auch wenn es kontextuell nichts zu lachen gab. 

Die andere Fraktion hat es genügsam angeschaut, ohne große Hochs und Tiefs.

Äh, und der Bechdel-Test?

Nicht bestanden. Sorry, wir befinden uns ausschließlich unter Seemännern.

Fazit

Hirn abschalten für den generischen Happy-End-Wohlfühl Filmabend – aber nur wenn’s für lau im Fernsehen läuft. Bestenfalls in Originalfassung für ulkige Seemannssprüche. 

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