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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Basierend auf dem wahren Leben der 28 jährigen Saraya-Jade Bevis erzählt Regisseur Stephen Merchant eine rührende Familiengeschichte über Hoffnungen und ihrem Traum eine professionelle Wrestlerin zu werden. 

Ein völlig in schwarz gekleidetes Mädchen betritt den Ring inmitten einer großen, voll besetzten Sportarena. Alle Augen sind auf sie gerichtet. Sie hält ein Mikrofon in der Hand, bringt aber kein Wort heraus. Ihre Kontrahentin verhöhnt sie. Die Menge lacht. Das Mädchen bricht in Tränen aus. 

»Fighting with My Family« / Stephen Merchant / Großbritannien, USA / 2019 / 108 Minuten

Die Story

Saraya Knight (Florence Pugh) und ihr Bruder Zak (Jack Lowden) stammen aus einer Wrestling- verrückten Familie. Beide träumen von einer professionellen Karriere, aber nur Saraya erhält die einmalige Möglichkeit in den USA an einem Trainingslager teilzunehmen. Dort muss sie körperlich als auch mental an ihre Grenzen gehen und hat mit Heimweh und Einsamkeit zu kämpfen. Währenddessen hadert Zak mit seinem Schicksal und verliert die Kontrolle über sein Leben. 

Und, wie finden wir das?

Grundsätzlich gut! Man muss kein Wrestling-Fan sein, um den „Kampf mit der eigenen Familie“ von Anfang an zu mögen. Der Sport ist hier nur das Setting für eine Geschichte über Familienträume, den Kampf, die eigene Identität zu akzeptieren, sowie die Liebe und Rivalität zwischen Geschwistern. Die Geschichte wird mit viel Herz und Feingefühl erzählt. Der Rythmus stimmt und die Dialoge sind gerade am Anfang wahnsinnig komisch. Vor allem die Familie rund um die Eltern Julia (Lena Headey) und Ricky (Nick Frost) ist herrlich erfrischend. Es gelingt eine Diskrepanz zwischen der wohl behüteten Familienwelt in England und der fast schon militärisch anmutenden Trainingswelt in Florida herzustellen. Gerade dadurch wird das Heimweh Sarayas glaubwürdig erzählt. Schade, dass die Erzählung gerade gegen Ende zu klischeehaft und vorhersehbar wird und der Film das Publikum etwas verliert. Die Dialoge werden leider immer unglaubwürdiger. Sequenzen mit US-Amerikanischer Popmusik hinterlegt – da verspielt der Film leider viel Kredit. Ingesamt gelingen Merchant die humoristischen Szenen deutlich besser als die ernsthaften, sodass man den Film thematisch aber auch qualitativ in zwei Hälften bewerten kann. 

Schlechtester Dialog

Saraya ist im Gespräch mit Dwayne „The Rock“ Johnson und will wissen, wie sie die nächste „The Rock“ werden kann.

The Rock: »Don’t worry about being the next me, be the first you.«

Das ist dann doch eine Spur zu pathetisch. 

Reaktionen aus dem Publikum

Es wurde oft sehr laut und herzlich gelacht. 

So richtig in seinen Bann gezogen hat die Geschichte aber nur die Wenigsten. Das Publikum blieb doch eher leidenschaftslos. 

Äh, und der Bechdel-Test?

Eindeutig bestanden! Saraya und ihre Mutter, aber auch weitere weibliche Charaktere werden hier ernst genommen und stehen oft im Fokus. 

Fazit

»Fighting with My Family« fängt wunderbar an, baut aber leider auch genauso schnell wieder ab und verfängt sich in überspitzten Klischees. Leider fällt es deshalb gerade am Ende schwer mit den Charakteren mitzufühlen. Unterm Strich bleibt dennoch ein kurzweiliger, liebevoller Film, der seine Stärken gut ausspielt und trotz seiner Schwächen viel Spaß macht. 

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