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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Eine deutsche Ärztin kurz vor dem Burn Out sucht Entspannung und wird plötzlich mit einer humanitären Katastrophe konfrontiert. »Styx« gräbt das alltägliche Unbehagen aus dem kollektiven Unterbewusstsein der westlichen Welt hervor.

Ein Affe klettert auf einer Mauer herum, die Sonne scheint. Die Kamera schwenkt über eine traumhafte Küste, das Meer funkelt türkisblau. Ein weiterer Affe klettert an einem Haus runter. Ein Schild zeigt: wir sind in Gibraltar.

»STYX« / Wolfgang Fischer / Österreich/Deutschland 2018

Die Story

Die überarbeitete Kölner Ärztin Rike (Susanne Wolff) nimmt sich eine Auszeit. Von Gibraltar aus segelt sie auf einer weißen 12-Meter-Yacht durch den Atlantik. Ihr Ziel: Ascension Island, eine von Charles Darwin künstlich angelegte Insel südlich des afrikanischen Kontinents. Ein von menschengemachtes Paradies, das »bestimmt sehr schön ist« (Rike). Zunächst ist alles prima, Rike segelt fleißig, um sie herum nichts als Wasser. Dann trifft sie auf einen rostigen Fischkutter, auf dem sich Geflüchtete aus Afrika befinden und der zu sinken droht. Rikes Boot ist zu klein, um alle zu retten und so funkt sie verzweifelt die Küstenwache und umliegende Schiffe an, damit die Menschen gerettet werden.

Und, wie finden wir das?

Der Name des Films, »Styx«, bezeichnet in der griechischen Mythologie den Fluss, der die Lebenden von den Toten teilt. Der Bezug zum Titel wird ständig hergestellt, die Gewalt des Wassers ist allgegenwärtig, auch, wenn es sich nur ruhig und gleichzeitig gruselig weit erstreckt. Die Kameraführung erinnert an eine Mischung aus Dokumentarfilm und Biopic. Sobald Rike auf dem Boot ist, ist man hautnah dabei. Zunächst darf man mit ihr meditativ durchs Wasser gleiten und wünscht sich, ebenfalls allein auf einem Boot zu sein, mit niemandem reden zu müssen, kein nervendes Handy zu haben. Das wohlige Zuschauergefühl ändert sich in der Sekunde, in der Rike das Boot mit den Geflüchteten entdeckt. Ihre Entspannung schwindet und wird zu verzweifelter Hilflosigkeit, das Zuschauen wird schwierig, fast unangenehm.

Schlechtester Dialog

Dialoge gibt es kaum. Moralisch gesehen, könnte man den schlechtesten Dialog dem Kapitän eines in der Nähe fahrenden Schiffes zuschreiben, der sich weigert die Menschen zu retten, aus Angst seinen Job zu verlieren.

Und der Bechdel-Test?

Bestanden. Rike ist cool und tough, segelt ganz allein im Atlantik herum. In ihrer Funkkonversation mit einer Frau von der Küstenwache geht es beispielsweise um ganz andere Dinge als Männer.

Fazit

»Styx« packt den Zuschauer und nimmt ihn mit durch sämtliche Emotionen. Auf harte (Film-)Kost vorbereiten.

Beitragsbild: filmstarts.de

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