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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Nachdem bereits im Oktober 2018 Anya Taylor-Joy für die Rolle der Emma gecastet wurde und damit unter anderem in die Fußstapfen von Schauspielkollegin Gwyneth Paltrow trat, feierte der Film seine Premiere am 14.02.2020 in Großbritannien. Nun läuft »Emma.«, das Filmdebut von Regisseurin Autumn de Wilde auch in unseren Kinos an.

Anmutig schwebt Emma zwischen prachtvollen bunten Blüten im Gewächshaus hindurch. In Seelenruhe wählt sie die feinsten für ein Arrangement aus und schreitet mit diesem durch die nicht weniger prachtvollen Gänge ihres dekadenten Anwesens. Zarte Klänge untermalen den für den restlichen Film stimmungsgebenden Einstieg.

Emma. / Autumn de Wilde / Großbritannien / 2020/ 124 Minuten

Die Story

Da die junge Emma Woodhouse (Anya Taylor-Joy) aus wohlhabenden Verhältnissen kommt, sieht sie bislang keinen finanziellen Nutzen, der sich für sie aus einer Heirat ergeben würde. Mit ihrer charmanten Art, ihrer Bildung und zahlreichen Talenten wie Klavierspielen oder Malen ist sie ihrer Auffassung nach sowieso zu gut für die meisten Männer in ihrem Umfeld, so wie für den langjährigen Freund der Familie Mr. Knightley (Johnny Flynn).

Anstatt sich wie andere Frauen in ihrem Alter ums Heiraten zu kümmern, kümmert sie sich lieber um ihren Vater (Bill Nighy) oder nimmt mit großer Freude die Rolle der Kupplerin ein. Oberste Priorität hat dabei momentan ihre Freundin Harriet Smith (Mia Goth).

Und, wie finden wir das?

Über zwei Stunden gelingt es Anya Taylor-Joy hervorragend, ihr Näschen stets ein kleines Stückchen zu hoch zu tragen und ein kleines bisschen zu intensiv mit den Augen zu rollen. Sie meistert die Grandlinienwanderung zwischen Charme und Arroganz, die Emma Woodhouse auszeichnen soll.

Neben einem bis hin zur kleinsten Nebenrolle gelungenem Casting überzeugt das Leinwanddebut von Autumn de Wilde insbesondere durch das ungewohnt langsame aber erfrischend entschleunigende Tempo.

So bleibt mehr Zeit, sich an den inszenatorisch prächtigen Bildern zu erfreuen, die gleichzeitig imposant und farbenfroh aber auch zart und anmutig wirken und dadurch die Dekadenz der hohen britischen Gesellschaft glaubwürdig inszenieren.

Im Kontrast zur prunkhaften Perfektion steht der feine, gekonnt subtil evozierte Humor, mit dem insbesondere Emmas etwas schrulliger, aber ursympathischer Vater Punkte beim Publikum sammeln konnte und der den wahrscheinlich größten Unterschied zu bisherigen Austen Adaptionen darstellt.

Schlechtester Dialog

Nachdem der vornehmen Gesellschaft beim Picknick langweilig wird, schlägt Mr. Knightley ein Spiel vor.

Mr. Knightley: »Fräulein Emma Woodhouse hat mich gebeten, dass ich Ihnen ausrichten soll, jeder solle entweder eine äußerst geistreiche, zwei relativ geistreiche oder drei langweilige Dinge erzählen.«

Als erstes äußert sich Miss Bates: »Dann werde ich beginnen! Ich nehme drei langweilige Dinge. Das ist eher meins. Die meisten Dinge, die ich erzähl, sind ohnehin langweilig.« (lacht in der Hoffnung, dass die Ironie erkannt wird)

Emma (lacht auch, eher abfällig): «Ja, sehen Sie, das ist das Problem, Sie müssen sich auf drei beschränken!«

Reaktionen aus dem Publikum:

Die eingefleischten Jane Austen Fans waren unschwer zu erkennen und erfreuten sich immer mal wieder mit bewundernden Ohhs und Ahhs an der ein oder anderen Szenerie oder dem nächsten schnippischen Spruch ihres Idols Emma. Lachen oder zumindest wohlwollend schmunzeln konnten aber so gut wie alle Besucher hier und da.

Äh, und der Bechdel-Test?

Man möchte meinen mit einer weiblich besetzten Hauptrolle und mehreren weiblichen Nebenrollen müsste der Test auf jeden Fall bestanden sein, wenn nicht fast ausschließlich übers Heiraten und über Männer gesprochen werden würde…

Fazit

Eine gelungene Adaption von Jane Austens Roman, bei dem nicht nur Fans der Vorlage auf ihre Kosten kommen.

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