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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Nach dem gleichnamigen Roman kommt jetzt, zehn Jahre später, die Verfilmung von Ian McEwans »On Chesil Beach« in die Kinos. Gemischte Gefühle in jeder Hinsicht: Das ewig poetische Meer und eine verkorkste Hochzeitsnacht versauen der jungen Liebe ihre Zukunft.

Das Meer liegt still da, wie in einem Gemälde. Dazu ein unbewegter grauer Himmel, ein paar einsame Bäume, ein Kieselstrand. Ein junges Pärchen: Sie in einem strengen, hellblauen Kleid; er im Anzug. Während sie durch die Einöde marschieren, erzählt er ihr von seiner Liebe zum Blues.

On Chesil Beach / Dominic Cooke / UK 2017

Die Story

Eddie (Billy Howle) und Florence (Saoirse Ronan) leben in einer Welt, die vor allem gegen sie steht: Die prüden 60er Jahre; Familienhintergründe, die verschiedener nicht sein könnten. Und trotzdem verlieben sie sich auf einer Anti-Atom-Veranstaltung auf den ersten Blick. Aus zaghaften Schritten und Annäherungsversuchen wird eine süße, erste Liebe. Aber natürlich bleibt nicht alles zuckersüß-sorgenfrei: Je näher der Tag der Wahrheit rückt, umso mehr sorgt sich Florence um ein Schlamassel in der Hochzeitsnacht. Ihre Unerfahrenheit und Angst kann sie niemandem anvertrauen – ein klassisches Problem in einer Zeit, in der Sex ein Schimpfwort ist und keiner gelernt hat, mal richtig darüber zu reden. Schließlich kulminiert alles in einem verpatzten Orgasmus und einem hitzigen Streit am Strand.

Und wie finden wir das?

Ein klassischer Konflikt à la Ian McEwan: Die Helden sind eigentlich nur viel zu jung, voller Kopfflausen und begehen einen strunzdummen Fehler. Das hat natürlich seine Konsequenzen und die Helden leiden darunter bis sie alt und faltig sind. Dabei merkt man Daniel Cookes Film leider von Anfang an, dass es sich um eine Romanverfilmung handelt – sogar wenn man das Buch gar nicht kennt. Wie so oft, ist das Endresultat dann irgendwie fad. Und das, obwohl McEwan am Screenplay beteiligt war. So viele schöne, verspielte Ansätze werden einfach nicht richtig ausgearbeitet: Der angedeutete Missbrauch von Florence Vater oder die Hirnkrankheit von Eddies genialer Mutter.

Besonders süß und ausdauernd ist jedoch vor allem eines: Das ewige Vorspiel in der Hochzeitsnacht. Hundert Jahre zippelt Freddie an Florence Reißverschluss herum, und als ihr Rüschenhöschen dann in einem wunderschönen ästhetischen Shot endlich zu Boden fällt, will man einmal laut »Juhu!« rufen. Die Unsicherheit in einer Welt, die von zähen Prüdeleien und verstockten Erwachsenenvorstellungen geprägt ist, geben dem Film sein gewisses Etwas: Alles passiert unter der Oberfläche. Kleine Gesichtszuckungen und ungemütliche Stille sagen mehr als jeder Dialog – und das vor allem auch dank einer ziemlich brillanten Saoirse Ronan (die manche vielleicht noch als 13jährige Briony Tallis aus McEwans Atonement kennen).

Schlechtester Dialog

Ein schlechter Dialog ist hier natürlich mit Absicht schlecht. Schließlich stammt er ja vom großen McEwan. Ein Zeichen der Zeit und eine Erinnerung daran, dass wir ganz bestimmt nicht gern in den 60er Jahren Sex gehabt hätten, ist diese Streiterei:

»You tricked me! And I know what you are: frigid. Completely frigid. And I was the first bloody fool to come along.«

Reaktionen aus dem Publikum

Tatsächlich wagt es eine Gruppe, eine halbe Stunde zu spät zu kommen. Und dann lachen und reden die auch noch und haben Spaß. Geht’s noch?

Und der Bechdel-Test?

1 A bestanden! Nein, Witz. Natürlich nicht.

Fazit

Genau das Richtige für einen regnerischen Mittwochabend, an dem du wieder einmal merkst, dass du ganz Netflix durchgesuchtet hast.

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