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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Unser Autor Felix ist in der Regel immer für Kapitalismuskritik zu begeistern. Was hält er aber von einem Ökokomödienthriller, bei welchem die Hauptdarstellerin mit sich selbst redet und auf Strommasten schießt?

Sie steht alleine in der Landschaft, mitten im isländischen Hochland. Es ist ziemlich bewölkt, eine Drei-Mann-Band steht deplatziert am Rand und trommelt einen militärischen Rhythmus. Die Frau ist bewaffnet mit Pfeil, Bogen und einem dicken Stahlseil. Ihr Feind: Ein Strommast.

Kona fer í stríð (original title)/ Benedikt Erlingsson/ Island, Frankreich, Ukraine 2018

Die Story

Halla (Halldóra Geirharðsdóttir) hat genug. Sie kann nicht mehr mit ansehen wie die multinationalen Konzerne das Klima ruinieren – und das auf Kosten der Kinder. Sie hat einen Plan: im großen Stil Stromleitungen sabotieren. Was erstmal logisch klingt, führt in der Praxis dazu, dass sie zur Staatsfeindin erklärt wird. Die Medien vergleichen sie, die »Bergfrau«, wahlweise mit dem IS, Al-Quaida oder Anders Breivik. Plötzlich erfährt sie, dass ein Kind auf dessen Adoption sie schon seit vier Jahren wartet, in der Ukraine abholbereit auf sie wartet. Sie steht vor der Wahl: Mutterglück oder Krieg dem Kapital?

Und, wie finden wir das?

Ganz nett. Die Kapitalismuskritik ist recht plump und einfach gestrickt und für einen wirklichen politischen Kommentar fehlt es an Tiefe. Der Humor der Komödie (die bei imdb seltsamerweise in den Kategorien »Action« und »Thriller« gehandelt wird) ist teilweise bitterböse, absurd und meist ziemlich schräg. Die Darstellung von Racial Profiling – ein junger ausländischer Tourist wird ständig festgenommen, weil er sich in der Nähe von Hallas Aktionen aufhält – wirkt slapstickartig und zieht sich als fieser running gag durch den gesamten Film. So kriegt man eine kurzweilige Komödie vorgesetzt, die sich selbst trotz ernsten Themen nicht allzu ernst nimmt. Ob es im echten Leben nicht noch andere Alternativen gibt als Öko-Sabotage und Rückzug in den Ashram – wie von Hallas Schwester (ebenfalls gespielt von Halldóra Geirharðsdóttir) propagiert – sei dahingestellt.

Schönster Dialog

Es ist schwer, sich bei Filmen, die weder auf deutsch noch englisch sind, Zitate zu merken. Und zum Aufschreiben ist der Saal zu dunkel. Mein Isländisch ist auch etwas eingerostet. Eine Szene war super lustig, aber da müsste ich spoilern. Soll ich spoilern? Nein, soll ich nicht.

Reaktionen aus dem Publikum

Es gibt einen Hund. Über den Freuen sich alle: »Ohhh« und »guck, da ist wieder der Hund!«. Endlich normale Leute.

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden. Hauptdarstellerin ist weiblich und redet öfter mit ihrer Schwester. Nicht nur über Männer, auch über Yoga, Adoption und verschiedene Dinge. Die Schwester wird aber von der gleichen Schauspielerin gespielt, ist das also wirklich ein »Bestanden«? Könnte das bitte jemand mit den Erfinderinnen des Tests klären?

Fazit

»Don Quijote« war gestern – ab heute beginnt der Krieg gegen die Strommasten!

 

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