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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Mit seiner neuen Arthouse-Komödie begeisterte Regisseur Gilles Lellouche letzten Sommer Millionen Zuschauer in Frankreich, ganz zu schweigen von den neun Cesár-Nominierungen. Wie sieht es diesen Sommer in Deutschland aus?

Ein Schwimmbecken unter Wasser. Lichtreflexe durchziehen das Wasser, am Beckenrand Menschenkörper, zueinander gewandt. Schwimmnudeln, Kinder, fröhlich-unbeschwertes Beisammensein. Platsch. Die Szene wird zerstört, ein Mann fällt ins Wasser. Die Augen unter der Schwimmbrille weit aufgerissen, sagt sein Blick: Was mache ich hier überhaupt? Und was mit meinem Leben?

Ein Becken voller Männer (OT: Le Grand Bain)/ Gilles Lellouche/ Frankreich/ 2018/ 122 Minuten

Die Story

Bertrand (Mathieu Amalric) steckt in einer tiefen Lebenskrise. Seit zwei Jahren ist er arbeitslos und scheint insgesamt irgendwie durchzuhängen. Jeden Morgen mischt er sich Antidepressiva ins Müsli, danach spielt er Candy-Crush auf dem Sofa. Bis er eines Tages einen Aushang im Schwimmbad entdeckt: Ein männliches Synchronschwimmteam sucht Verstärkung. Auf seiner Suche nach Struktur und einem Ziel im Leben trifft er auf sieben weitere Männer, die ebenfalls in einer Midlife Crisis stecken: Marcus (Benoît Poelvoorde), Simon (Jean-Hugues Anglade), Laurent (Guillaume Canet), Thierry (Philippe Katerine), John (Félix Moati), Basile (Alban Ivanov) und Avanish (Balasingham Thamilchelvan). Die Umkleidekabine wird zur Therapiesession (locker room talk 2.0), bei einem herumgereichten Joint werden die Niederlagen des eigenen Lebens besprochen, wird sich Mut zugesprochen oder auch mal ganz männlich einander angebrüllt. Gedrillt werden sie dabei von den Trainerinnen Delphine (Virginie Efira) und Amanda (Leïla Bekhti).Am Ende scheint nur eines die logische Konsequenz zu sein: Die Teilnahme bei der Weltmeisterschaft.

Und, wie finden wir das?

Ziemlich flach und klamaukig. Der Plot ist vorhersehbar und überdreht, die Charaktere sind allesamt überzeichnete Stereotype: der harte Typ, der keine Gefühle zeigen kann, der Loser, der unbeholfen im Umgang mit Frauen ist, der gescheiterte Rockstar mit verwischtem schwarzem Kayal und in einem Wohnwagen wohnt. Dazu gibt es viel schmalzige Musik.

Vor allem aber ist es der Humor, der sich schnell erschöpft, weil er im Grunde nur in einem besteht:  Männer tun vermeintlich unmännliche Sachen. Pinke Nasenklammern aufsetzen zum Beispiel, ihre nackten Beine in versuchter Anmut aus dem Wasser strecken, Selbstbräuner ausprobieren, weinen, durch ein Gebäude tanzen. Das alles mit einer Ernsthaftigkeit und eisernen Entschlossenheit, die ihresgleichen sucht. Aber schließlich geht es ja auch um die Weltmeisterschaft. 

Insgesamt ein Film, der nicht überzeugt, aber immerhin streckenweise unterhält.

Schlechtester Dialog

Der Witz mit dem »Plan Fuchs« schien Gilles Lellouche so gut zu gefallen, dass er ihn gleich zweimal hintereinander ins Drehbuch schrieb. Oder die deutsche Synchronisation ruinierte einen vermeintlichen Witz.

»Aber das können wir uns nicht leisten.«

»Ich habe einen Plan. Den Plan Fuchs.«

»Warum Plan Fuchs?«

»Weil Füchse schlau sind.«

»Stimmt. Füchse sind schlau. Deswegen passen sie zu uns.«

Reaktionen aus dem Publikum

Größtenteils gelangweilte Stille, zum Ende hin aber begeistertes Kreischen und sogar vor-Lachen-in-die-Hände-Klatschen. Eine Frau seufzt beim Verlassen des Kinosaals sehnsuchtsvoll: »So schön!«. Der Abspann will sich aber niemand mehr anschauen, so besonders war es jetzt auch nicht.

Äh, und der Bechdel-Test?

Nicht bestanden. Überhaupt bleiben die Frauenfiguren flach und ihre eigene Motivation unverständlich. Die Trainerinnen haben kein Ziel außer den Erfolg der Männer. »Warum bin ich überhaupt hier?« brüllt Schwimmtrainerin Amanda. Gute Frage. Sie wird daraufhin ins Wasser geschubst.

Fazit

Ein bisschen wie der Sonnenuntergang in einer der letzten Szenen: Schon tausendmal gesehen, ein bisschen kitschig, aber irgendwie seufzt man doch zufrieden. Während die Stimme aus dem Off einem wieder mal bestätigt, dass man alles schaffen kann, wenn man sich nur anstrengt, fährt man beseelt in den Sonnenuntergang. Oder halt vom Kino nach Hause.

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