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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

ZurQuelle war wieder im Kino. Diese Woche in der Sneak Review #61 gab es den shakespearesken Streifen: Lady MacBeth

Eine Sneak wie man sie sich nur wünschen kann: Leidenschaft, Emotionen, Erotik und Gesellschaftskritik. Und obwohl Blade Runner immer noch den großen Saal blockiert, konnte an diesem Dienstag nichts die Stimmung trüben.

Lady MacBeth, William Oldroyd, Großbritannien 2016

Die Story

Wir befinden uns im viktorianischen England: Die junge, schöne Catherine (Florence Pugh) wird an den reichen aber unsympathischen Alexander (Paul Hilton) zwangsverheiratet. Er kann nicht viel mit ihr anfangen, will sie aber als Prestigeobjekt fest an seiner Seite wissen und verbietet ihr das Ausgehen. Aus Rebellion und Langeweile verliebt sie sich in den Stallburschen Sebastian (Cosmo Jarvis). Von nun an ist sie zu allem bereit, um diese Liebe zu bewahren.

Und, wie finden wir das?

Langweilig, leidenschaftlich, verstörend. Der Film schafft es, Catherines Gefängnis der Langeweile auf den Zuschauer zu übertragen. Ebenso wird ihre aussichtlose Situation und die erbarmungslosen Konventionen der Zeit vermittelt. So wird das wiederkehrende Schnüren des Korsetts zum Sinnbild der gesellschaftlichen Zwänge. Erst als ihr Mann auf Reisen ist, kann das Verbotene endlich ausgelebt und durch die Vereinigung der Stände zelebriert werden. Im Ehebett, wie auch im Pferdestall. Verstörend wird das Ende. Catherine als kluge und starke Frau hängt zu sehr ihrem eigenen Willen an, der ihr so lange versagt blieb. Das kostet sie die Liebe, für die sie vermeintlich kämpft.

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Schlechtester Dialog

Bei Lady MacBeth wird wenig geredet. Dafür gibt es sehr viel Sex. Nach ZurQuelle-Maßstäben (die, wie ihr wisst, niedrigschwellig sind) also Grund genug, sich den Film anzuschauen. Zumindest für den billigen Kick.

Reaktionen aus dem Publikum

Ein ganz vorbildliches Kino-Publikum: Ruhig, unauffällig und auf den vorderen Plätzen nur Menschen mit durchschnittlicher Statur. Weiter so liebe Sneak-Gänger!

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden. Catherine redet mit Ihrem Hausmädchen Anna, bis sie diese für immer zum Schweigen bringt. Das macht sie übrigens mit den meisten ihrer Gesprächspartner.

Fazit

Harter Tobak mit einer eiskalten Protagonistin, der man daraus jedoch keinen Vorwurf machen kann, denn Lady MacBeth ist im Prinzip nur die Visualisierung einer bekannten Marxschen Floskel: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“

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