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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche. Wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das.

Der Zuschauer sieht in den Schallbecher einer Trompete. Aus dieser Perspektive könnte es auch der Lauf eines Revolvers sein. Schnitt. Nächstes Bild: Ein Mann, gespielt von Ethan Hawke, sieht schwitzend und zitternd direkt in das Instrument hinein, aus dem gerade eine Vogelspinne krabbelt.

Born To Be Blue, Robert Budreau, Großbritannien / Kanada, 2015

Die Story

Jazzlegende Chet Baker, “James Dean of Jazz”, “King of Cool”, hat in den Fünfzigern so ziemlich alles: Erfolg mit seiner Musik, Erfolg bei den Ladys und viele Drogen; zu viele Drogen, viel zu viel Heroin. So schnell und hoch wie er in den Olymp des Ruhmes gerät, so schnell und tief fällt er wieder. Nachdem er von seinem Dealer brutal zusammengeschlagen und sein Kiefer verletzt wird, kann er kaum noch Trompete spielen. Und auch sonst steht er ziemlich allein da, bis er die wunderschöne Schauspielerin Jane (Carmen Ejogo) kennenlernt, mit deren Hilfe er tatsächlich sein Comeback schafft.

Und, wie finden wir das?

Interessant, aber wenig überraschend. Tatsächlich waren damals die größten der größten Jazzmusiker heroinsüchtig: Billie Holiday, Miles Davis, Charlie Parker, Joe Guy, Dexter Gordon, Ray Charles und und und. (Kleine Liedempfehlung passend zum Thema an dieser Stelle: Wildcookie – Heroine).
Wir haben es in Born To Be Blue mit der Geschichte des Comebacks von Chet Baker zu tun. Ein unfassbares Talent, ein unglaublicher Musiker, der manchmal wie der größte Gigolo wirkt. Ein Macho mit den schlechtesten Anmachsprüchen (dazu kommen wir später noch), der im nächsten Moment verletzlich, unsicher, mit einem Kleinkind vergleichbar, scheint.
Die Story ist natürlich nicht schlecht, es geht hier schließlich um wahre Begebenheiten. Andererseits ist es aber auch wie eben jede andere Geschichte eines Drogensüchtigen. Auf das High folgt der tiefe Absturz, dann die Regenerationsphase, ein kurzes Happy End. Oft ist das alles nur durch die Unterstützung einer liebenden Person möglich, die sich für den Junkie aufopfert, um dann… Man kann sich‘s vielleicht denken.

Die Filmmusik ist wie zu erwarten der Wahnsinn. Ansonsten ist Born To Be Blue ein durchgestylter Film über einen hervorragenden weltbekannten Musiker, der einen Hang zu Unsicherheit und Selbstzerstörung hat. Irgendwie nichts Neues, von der Mache her irgendwie ein bisschen zu viel Hollywood.

Schlechtester Dialog

Im Grunde jeder Dialog, der mit Flirten zu tun hat.

Chet möchte Jane mit nach Hause nehmen und ein bisschen „singen“.

Sie: „That is not a good idea.“
Chet: “Why that?”
Sie: “You mean trouble.”
Chet: “Trouble is good for you.”

Chet wird von einem Fan angemacht, sagt aber (wahrscheinlich zum ersten Mal), dass er mit Jane in einer Beziehung ist.

Fan: „You should call me when you wanna play any other instruments.“

Reaktionen aus dem Publikum

Manchmal Lacher. Ich selbst konnte mir bei jedem Anmachspruch das Schnaufen nicht verkneifen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Vergesst es.

Kennst du schon unsere Sneak Review der letzten Woche?

Fazit

Schöne Musik, eine interessante Persönlichkeit, ein wenig überraschender Plot. Wer Jazz liebt, sich für Chet Baker interessiert oder einfach neugierig ist, der wird es bestimmt nicht bereuen.

Filmstarts.de