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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

The Founder: ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche. Wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das.

Die 50er. Ein Drive In. Frauen tragen Petticocoats, Männer Polyesteranzüge. Servicepersonal rollt auf Rollschuhen zwischen den wartenden Autos hin und her. Eine Kellnerin klemmt mit einer genialen Vorrichtung das Tablett in das heruntergelassene Fahrerfenster eines Kunden – bereits nach zwanzig Minuten Wartezeit. So war das, damals, als Fastfood noch in den Kinderschuhen steckte.

The Founder, John Lee Hancock, USA 2016

Die Story

Die Handlung in 4 Sätzen Ray Kroc (Michael Keaton, „Batman Returns“), ein erfolgloser Vertreter, bleibt auf seinen Milkshakemixern sitzen – wie zuvor schon auf Klapptischen und Pappbechern. Die Brüder Dick und Mac MacDonald haben eine erfolgreiche Burgerbude aufgebaut – freundlich, herausragende Qualität, glückliche Konsument*innen. Ray ist begeistert und sichert sich die Franchiserechte. Kein Happy End für die Brüder. Happy End für den Kapitalismus.

Und, wie finden wir das?

115 Minuten (knapp zwei Stunden) kann man auch anders investieren. Der Film unterscheidet sich von Unterrichtsmaterial für die Mittelstufe in Folgendem: Er hat keine Diagramme und Zusammenfassungen. Die Kameraführung ist besser. Merksätze (Angebot, Nachfrage) werden klar einzelnen Figuren zugeordnet. Die Schauspieler*innen spielen die holzschnittartigen Nebenfiguren mit Talent. In gewisser Weise entsteht eine Handlung.

Benotung der pädagogischen Umsetzung: Für visuelle Menschen oder Menschen mit Leseschwäche werden die Highlights des Wikipediaartikels in eher unauffälligem Design aufbereitet. Relevanz dieser Informationen unklar. Möglicherweise kapitalismuskritisch. Botschaft: Menschen lügen. Kapitalismus verdirbt den Charakter. McDonalds-Essen deckt den Tagesbedarf an Vitaminen nur ansatzweise.

Insgesamt: Noch befriedigend (3-).

Falls sich jemand gefragt hat, ob McDonalds eine sympathische Firma ist, in der es ein qualitativ hochwertiges Nahrungsangebot gibt, bekommt man hier ein bisschen Nachhilfe, ohne dass sie visuell so aufdringlich ist wie ein Michael-Moore-Film („Supersize Me“, USA 2004). Allerdings: 115 Minuten, just saying, wer diese Minuten in seinem Leben nichts besseres zu tun hat: Der Film stört nicht wirklich. Eventuell bekifft einen Versuch wert. Bitte berichten.

Dümmster Dialog

Du erhöhst das Angebot, und die Nachfrage wird folgen. Das ist die Frage nach dem Huhn und dem Ei. (Rays Pitch, um Milkshakemixer, Klapptische oder Pappbecher zu verkaufen). Antwort: Ende des Gesprächs. Gerne kombiniert mit zugeschlagener Tür.

Reaktionen aus dem Publikum

Lacher bei der übereinstimmenden Überzeugung der McDonalds-Brüder: „Better to have one good place than 50 mediocre ones.“

Äh, und der Bechdel-Test?

Nein. Die beiden weiblichen Figuren mit Sprechrollen(unzufriedene Ehefrau, inspirierende Muse)  sind klischeehaft, aber bei den Statist*innen hat sich der Film Mühe gegeben. Mädchen in der Schlange sind nicht braver als Jungs, Kundinnen sind nicht dümmer als Kunden. Es gibt sogar nichtweiße Passanten. Von den Figuren her ist das kein Macho-Film – es geht halt nur um Männer.

Fazit

115 Minuten langer Lehrfilm mit geringer Informationsdichte, überschaubarer Figurenentwicklung und unklarer Motivation – muss nicht, stört nicht, eventuell für Burger-King-Fans von Interesse.