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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Tiger Girl: ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche. Wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das.

»Haust du mir eine rein?«

»Nein, ich glaube nicht. Dafür bin ich zu dumm. Und meine Finger sind an die Tastatur gebunden, denn ich schreibe eine Rezension, du Idiot.«

»Ach, fick dich doch.«

»Nein, fick du dich.«

»Nein, dich.«

So etwas passiert, wenn man den Einstieg in eine Kritik improvisiert. Ein waghalsiges Experiment, aber nicht so waghalsig, wie ganze Filme zu improvisieren, wie Jakob Lass (»Love Steaks«) und seine FOGMA-Mitstreiter es seit Jahren tun. So wieder passiert bei »Tiger Girl«, der dieses Jahr Premiere auf der Berlinale hatte.

Hier die Review von „Lommbock“

Die Story

Maggy (Maria Dragus) ist durch die Polizeiprüfung durchgefallen und macht nun eine Ausbildung als Securityfrau. Sie hasst sich dafür, dass sie schwach ist und sich nicht durchsetzen kann. Gut, dass Tiger (Ella Rumpf) um die Ecke kommt, das aggressive Yang zu ihrem Yin, ihr den Street Name »Vanilla« gibt und ihr mal so richtig zeigt, wie man auf die Kacke haut. Gemeinsam bringen sie Anarchie nach Berlin, aber Tiger wird immer irritierter davon, wie Vanilla übers Ziel hinausschießt und krasser wird, als Tiger es für richtig hält.

Und wie finden wir das?

Ganz schwierig. Manchmal ist die Anarchie der beiden Protagonistinnen wirklich spürbar, großteils fühlt sie sich aber einfach aufgesetzt an. Dem Fickt-Euch-Vibe, den der Film versprühen soll, kommt er nur in einzelnen Bildern nahe, wie, wenn Tiger und Vanilla zu Berliner Schwuppdi-Dudelmusik mit dem Baseballschläger durch Mitte laufen und lächelnd Autoscheiben einschlagen. Aber mit seinen poppig-bunten Bildern und den Lens Flares beim Securitytraining im Wald wirkt er fast zu schön für sein Thema.

Und selbst das, das Thema, ist gar nicht so klar. Klar, es geht um Chaos. Aber wie steht der Film dazu? Will er ein Statement für oder gegen autoritäre Strukturen (wie bei der Polizei oder der Securityausbildung) anbringen? Will er etwas über Gewalt sagen, über Freundschaft? Der Film kann sich nicht entscheiden und das macht ihn schwach und lässt den Zuschauer ratlos zurück. Das Nicht-Ende ist dann ein Schlag in die Fresse. Im negativen Sinne.

Hier die Review von „Der junge Karl Marx“

Schlechtester Dialog

In einem Improfilm gibt es auch nicht so gelungene Dialoge, das liegt in der Natur der Sache. Deswegen wird sich hier mal nicht künstlich beklagt.

Reaktionen aus dem Publikum

Zum Teil Gelächter, manchmal unentschlossenes Gemurmel. Drei vorzeitige Abgänge.

Hier die Review von „Wilde Maus“

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden.

Fazit

Ein bisschen wie Anarchie in der Pepsi-Werbung. Sieht alles gut aus und macht zeitweilig Spaß, aber am Ende bleibt man etwas leer und überzuckert sitzen.

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