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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche, wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das.

Neuseeland, es werden Schafe geschoren. Betäubt werden sie in einzelne Boxen gelegt, aus denen sie die Schafscherer herausgreifen und mit Elektrorasierern rasieren. Am Nacken gepackt, Rücken und Beine hinunter, die Wolle fällt in Bergen auf den Boden. Welcher Scherer braucht am wenigsten Schübe? Wo bleibt am wenigsten Restwolle über? Der stolze Vater misst bei seinem Sohn die Zeit und freut sich über das, was er gelernt hat.

Die Story

Simeon begehrt im Neuseeland der 50er gegen die Traditionen in seiner Maori-Familie, der Schule und im Rechtsystem auf. Er verliebt sich in Poppy, ein Mädchen aus dem verfeindeten Poaka-Clan. Deren Feindschaft zu seinem Clan, den Mahanas heizt nicht nur den Schafschurwettbewerb an. Simeon entdeckt den Ursprung der alten Fehde und klärt ihn im Alleingang auf.

Und, wie finden wir das?

Sehr unrealistisch. Wir haben einen Helden. Er ist toll. Er steht auf, wenn Unrecht passiert, er sagt seine Meinung, das hübsche Mädel bewundert ihn dafür, der Großvater regt sich über ihn auf, alle Charaktere beschäftigen sich hauptsächlich mit ihm. Leider kann der Darsteller des Simeon, Akuhata Keefe, diesen Fokus auf seine Figur nicht tragen, und die meisten Figuren haben, abgesehen von ihrer Beziehung zu Simeon, kein Eigenleben und bleiben zu blass. Obwohl die älteren Schauspielerinnen, allen voran Nancy Brunning als Großmutter Mahana und Jim Moriarty als Oberhaupt des Poaka-Clans herausragend spielen.

Lee Tamahoris Film ist nicht langweilig, aber folgt dem üblichen Schema:

1) Problem: Simeon ist aufmüpfig!

2) Eskalation: Die Familie seines Vaters wird verstoßen! Es kommt noch schlimmer! Wirtschaftliche Probleme!

3) Auflösung des Problems: Feinde feiern zusammen, Simeon hat vielleicht etwas gelernt!

Die Kulisse ist unrealistisch sauber für eine Landwirtschaftskultur. Freunde Neuseelands werden mit den kurzen Einblendungen von Landschaftsaufnahmen unterversorgt sein, sich vermutlich aber über die toll dramatisierten Schafschurepisoden freuen.

Bemerkenswert ist dass der Film mit wenig Hintergrundmusik auskommt. Das Klappern des Geschirrs, der hölzernen Weidezäune und der Schafscheren werden nur ab und an von Schlagern der 50er unterbrochen. (Für die sehr kitschig mit Effektgeräuschen bei Pferdegetrappel und Herzklopfen unterlegten Rückblenden gilt dies leider nicht.)

Zentraler Dialog:

„Eine Familie wird beherrscht von ihrem schwächsten Mitglied.“

– „Es gibt verschiedene Arten von Schwäche und Stärke.“

Reaktionen aus dem Publikum

alle blieben da, an einer Stelle wurde gelacht, allerdings nur von den Männern. Viele blieben bis zum Ende des Abspanns, als ob sie warteten, dass noch etwas passiert.

Äh, und der Bechdel-Test?

Es gibt eine einzige Szene, in der Frauen miteinander über etwas anderes als über einen Mann reden, nämlich über die Hochzeit einer Frau. Wobei es natürlich auch eigentlich um einen Mann geht. Leider haben diese Frauen keinen Namen, somit wurde der Bechdel-Test nicht bestanden.

Heiraten, vergewaltigt werden, den Helden anhimmeln und Kinder bekommen ist alles, was den Machern dieses Filmes zu Frauen eingefallen ist.

Fazit

Die Landschaft ist sehr schön. Das klischeehafte Drehbuch wird durch einige Ambivalenzen aufgewertet, die zum Nachdenken über Liebe und Abhängigkeit, Freiheit und Gemeinschaft anregen.