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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Manchmal geht man in die Sneak und weiß schon vorher, dass es eine Enttäuschung wird. Die Prognosen schwanken zwischen Horror-Spaß und Billo-Komödie. Letztere erwartete uns diese Woche hinter samtenem Vorhang.

Das Ehepaar Dorek sitzt dem Paartherapeuten Harald gegenüber. Nichts passiert. Mann räuspert sich. Frau trinkt Wasser. Therapeut guckt zu.

Michael Kreihsl / Die Wunderübung / Österreich 2018

Die Story

Verheiratetes Paar hat sich in 17 Jahren Beziehung eine lebendige Streitkultur aufgebaut und versucht diese nun mit einer Paartherapie zu entschärfen. Mann hat weniger Bock darauf als Frau, welche kurz vor dem Nervenzusammenbruch steht. Therapeut hat sowieso keine Lust auf den lächerlichen Dauerstreit aber dafür ein paar Tricks in petto, mit denen er die Ehekrise in nur einer Sitzung zu lösen gedenkt.

Und, wie finden wir das?

Das (zunächst sehr ruhige) Kammerspiel wirkt ungewöhnlich auf der großen Leinwand. Gerade die kleinen Geräusche, wie Papierrascheln oder das Gluggern der Wasserflasche wirken in ihrer Überpräsenz angenehm einnehmend. Mit dem ersten gesprochenen Satz wird jedoch deutlich: wir befinden uns hier in einem Theaterstück. Die überaus ausdifferenzierte Sprache sowie Mimik und Gestik von Hauptdarstellerin Aglaia Szyszkowitz sind dadurch gerechtfertigt, dass es sich tatsächlich um eine Adaption des Stücks von Daniel Glattauer handelt. Da kann man schnell mal die Bühnen verwechseln. Die plötzliche Plotwendung ist leider auch für alle leicht durchschaubar, die das Stück nicht kennen. Und so ist das Ende nicht nur unspektakulär sondern zudem noch voraussehbar kitschig.

Schlechtester Dialog

»Lieber dreimal verglühen als einmal erfrieren« ist die tiefgründige Entgegnung Joanas auf die Feststellung des Therapeuten, dass die Beziehung des Paares Dorek im Vergleich zu seiner eigenen die Hölle sei.

Reaktionen aus dem Publikum

Zwei Frauen hinter mir erfreuen sich der österreichischen Produktion und vor allem am Darsteller Devid Striesow in der Rolle des Herrn Dorek: »Ach da isser doch.« »Ich seh‘ den auch gern.«

Äh, und der Bechdel-Test?

Gibt nur eine Frau unter den drei Rollen. Aber die telefoniert auch mal mit ihrer Tochter. In dem Gespräch geht es dann allerdings darum, dass der Bruder nervt. Also nicht bestanden.

Fazit

Klischeepaar, Klischeeprobleme, Klischeezoff. Aller Fairness halber sei gesagt: für das deutsche Abend-Fernsehprogramm wird es allemal taugen.

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