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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Die Schlösser aus Sand: ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche. Wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das.

Frankreich am Meer. Ein einsames Haus, davor ein Mann mit einer Kamera, der Schwarz-Weiß-Bilder knipst. Aus dem Off beginnt eine weibliche Stimme zu sprechen: Eleonores Vater ist gestorben. Sein Haus soll verkauft werden, mit all den Möbeln und Erinnerungen zusammen. Eleonore ist Fotografin, so wie ihr Vater es war – sie lebt in der Gegenwart. Samuel ist Historiker –er lebt in der Vergangenheit.

Die Schlösser aus Sand, Olivier Jahan, Frankreich 2015

Die Story

Eigentlich sind Eleonore (Emma de Chaunes) und Samuel (Yannick Renier) schon seit einer Weile getrennt, als sie über das Wochenende in die Bretagne fahren, um das verlassene Haus des Vaters (Alain Chamfort) zu verkaufen. Scheinbar haben beide Strategien gefunden, ihre Trennung zu verarbeiten: Während Eleonore ihre Einsamkeit in Alkohol und Antidepressiva ertränkt, hat Samuel eine neue Freundin und fährt eher aus Pflichtgefühl mit. In den nächsten Tagen renovieren die beiden das Haus und suchen zusammen mit der Maklerin Claire (Jeanne Rosa) nach Käufern. Nach und nach werden sie allerdings von den Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit eingeholt – sie spüren, dass sie sich nie ganz loslassen konnten.

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Und, wie finden wir das?

Erstaunlich komplex für eine Geschichte, die zunächst nach einem Klischee klingt: Große Liebe, Landhaus, romantische Erinnerungen. Ja, Liebesfilme sind Geschmackssache, aber zum Glück sind französische Filme meistens gut.
Die Szenerie ist karg und die Erzählstimme, die sich darüber legt poetisch und metaphorisch aufgeladen. Dabei bleibt die gewünschte Sensibilität meistens erhalten und driftet nur selten ins Kitschige ab. Super spannend ist der Ödipus-mäßige Figurenaufbau: Eleonore verarbeitet in ihrer Beziehung mit Samuel definitiv auch die zu ihrem idealisierten Vater. Der erscheint an bestimmten Stellen aus dem Nichts heraus und gibt ihr philosophische Hinweise zu starken Schultern zum Anlehnen. Als die potenzielle Hauskäuferin Maelle (Christine Brücher) sich als langjährige Affäre ihres Vaters herausstellt, ist auch eine rivalisierende Mutterfigur im Spiel. Das Haus wird zur Metapher für die verschiedenen Beziehungen, die sich über die Jahre hinweg in ihm abspielten. Während der Vater Maelle nie so sehr lieben konnte wie seine Tochter, wird langsam klar, dass es Samuel genauso ergeht: Seine neue Beziehung kann nicht den Stellenwert einnehmen, den Eleonore in seinem Leben besitzt. Und so ist sie, auch wenn sie sich von den beiden wichtigsten Männern in ihrem Leben verlassen fühlt, Dreh- und Angelpunkt des ganzen Dramas.

Hier die Review von „Tigergirl“

Schlechtester Dialog

Als Eleonore mit der Erinnerungs-Version ihres Vaters am Strand sitzt und ihm gesteht, wie sehr sie ihn vermisst und sich fürchtet, sagt er: „Du bist eine verängstigte Katze. Angst vor dem Tod zu haben, ist wie Angst vor dem Wind zu haben.“ – Bei so vielen Metaphern geht auch mal eine schief. Was, wenn es stürmt? Ich finde das jedenfalls nicht sehr beruhigend.

Hier die Review von „Die andere Seite der Hoffnung“

Reaktionen aus dem Publikum

Die hinteren Reihen freuen sich über den düsteren Humor. Claire, die Maklerin, singt im Restaurant für Samuel und Eleonore alle fünf Strophen eines Kinderliedes, in dem es darum geht, die Eltern lieber umzubringen, wenn man selbst noch ein Kind ist. Erwachsene Waisen bemitleidet schießlich niemand mehr. Eleonore, die gerade ihren Vater verloren hat, bricht in Tränen aus. Der Moment auf der Leinwand könnte unangenehmer nicht sein. Wir amüsieren uns sehr.

Hier die Review von „A United Kingdom“

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden. Juhu!

Fazit

„Die Schlösser aus Sand“ ist einfühlsam, französisch und anders als das klassische Liebesdrama. Zu zweit schauen, lohnt sich bestimmt.

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