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von und für Zaubernde

Nach längerer Pause ist die Sneak Review endlich zurück! Und es geht direkt wieder in die Vollen mit einem ägyptischen Krimi zu Zeiten der Revolution: Die Nile Hilton Affäre

Zwei uniformierte Ermittler sitzen in einer Bar im Suk einer arabischen Großstadt und essen chinesische Nudeln. Dabei rollen sie die Nudeln so auf, als wären es italienische Spaghetti. „Ich will noch eine Fremdsprache lernen“, sagt der eine. „Du lernst schnell“, sagt der andere.

The Nile Hilton Incident (Die Nile Hilton Affäre), Tarik Saleh, Schweden / Deutschland / Dänemark 2017

Die Story

Ägypten, Januar 2011. Salwa, Zimmermädchen, wird Zeugin eines Mordes im titelgebenden Kairoer Luxushotel Nile Hilton. Noredin, Polizist, dessen Chef gleichzeitig sein Onkel ist, versucht den bis in die Spitzen der Politik verflochtenen Fall aufzuklären. Alle sind korrupt. Im Hintergrund verläuft die Revolution am Tahrir-Platz.

Und, wie finden wir das?

Merkwürdige Kombination von sehr guten und sehr schlechten Dingen.
Einige Schauspieler:innen (Mari Malek als Zimmermädchen Salwa, Hania Amar als Sängerin und Freundin des Mordopfers Gina, Ger Duany als Clinton, zwielichtiger Zimmerwirt der Unterkunft für sudanesische Flüchtlinge, in der Salwa lebt) sind herausragend. Der Hauptdarsteller (Tareq Abdalla) und alle Mordverdächtigen ziemlich hölzern. Das Buch (Tarik Saleh) ist unglaublich schlecht und vorhersehbar – vergleichbar mit einem der schlechten Tatorte der schlechteren Tatort-Teams; man denke an Ludwigshafen oder Leipzig. Die Ausstattung sieht ein bisschen so aus, als wenn die Gute-Zeiten-Schlechte-Zeiten-Redaktion eine Inneneinrichtung mit dem Thema „Ägypten“ zusammengestellt hätte. (Der Film wurde in Marokko, Schweden und Erfurt gedreht, wie der Abspann verrät). Die Außenaufnahmen zeigen ein tolles Kairo, allerdings leider völlig ohne Atmosphäre. Gleichzeitig ist die Kamera (Pierre Aïm) in ihrer Bildauswahl aber großartig, wie sie Häuser, Straßenkanten, Menschen und Autos in Bezug setzt. Also zu viel tolles, um den Film zu ignorieren. Wollte man nicht immer schon mal einen Krimi während der Revolution am Tahrir-Platz sehen?

Man sollte sich allerdings auf einen B-Movie einstellen, was Handlung, Dialoge, Figurenzeichnung und Dichte angeht.

Schlechtester Dialog

Ich konnte gar nicht so viel mitschreiben wie mir der Mund offenstand. Der Film ist übrigens komplett Arabisch mit deutschen Untertiteln. (Vielleicht ist das im Original total toll?)

Pars pro Toto: Der Dialog der Ermittler über die Leiche im Hotelraum. „Sieht nach einem Profi aus.“ – „Auf keinen Fall. Bei so einer schönen Frau kann es nur ein Beziehungsdrama sein – Mord aus Leidenschaft.“

Reaktionen aus dem Publikum

Zwei gehen nach einer halben Stunde. Nach einer Stunde, als sich in den ansonsten tollen Soundtrack Chansons mischen, die über der nächtlichen Stadt liegen, Lacher und die Unsicherheit – ist das hier doch eine Komödie?

Unsere letzte Sneak Review ist schon ein wenig her. In „Die Migrantigen“ ging es aber lustig zu!

Äh, und der Bechdel-Test?

Nein. Überrascht das jemanden bei den oben genannten Grundvoraussetzungen?

Fazit

Ein B-Movie, ein vorhersehbarer Krimi während der ägyptischen Revolution – Muss man sehen, oder?