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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Nach langem Werkeln für den kleinen Schirm, kehrt die Regisseurin Mimi Leder 18 Jahre nach »Pay it Forward« auf die Kinoleinwand zurück. Mit Erfolg?

Warum denn ausgerechnet die neun Erstsemestlerinnen den Platz an der juristischen Fakultät von Harvard, der auch an einen Mann hätte gehen können, verdient hätten, fragt sie der Dekan bei einem für eben diese veranstalteten Dinner. Als dritte erklärt Ruth Ginsburg, sie studiere nur, um die Arbeit ihres ebenfalls hier studierenden Mannes besser zu verstehen, und somit eine geduldigere und verständnisvollere Ehefrau zu werden. Gelächter bei ihren Mitstreiterinnen, der Dekan ist not amused. So wird es ihm noch öfters ergehen.

Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit / Mimi Leder / USA 2018

Die Story

Es geht um das wahre Leben der aktuellen amerikanischen Verfassungsrichterin Ruth »Kiki« Bader Ginsburg (Felicity Jones) oder besser gesagt die zentralen Wendepunkte der ersten Hälfte. Nach dem Studium in Harvard zieht sie mit ihrem Ehemann Martin (Armie Hammer) und der gemeinsamen Tochter Jane (später als Teenagerin Cailee Spaeny) nach New York. Dort findet sie, anders als ihr Mann, als Frau zunächst keinen Job bei einer Anwaltskanzlei, sondern lediglich als Professorin. Als ihr aber von Martin 1970 ein steuerrechtlicher Fall von Diskriminierung gegen einen Mann vorgelegt wird, sieht sie darin die Möglichkeit, das gesamte System geschlechterdiskriminierender amerikanischer Gesetze ins Wanken zu bringen und bereitet sich gemeinsam mit ihrer Familie und der ACLU (American Civil Liberties Union) auf den Kampf vor.

Und, wie finden wir das?

Einerseits inhaltlich überzeugend. So muss man wohl nicht erklären, warum das Thema sexueller Gleichberichtigung noch immer Relevanz besitzt und weshalb man Ruth gerne bei ihrem Kampf gegen Vorurteile und das sie untermauernde Rechtssystem zusieht, zudem Felicity Jones auch eine überzeugende Performance abliefert.

Andererseits stellt sich aber in handwerklicher Hinsicht nie ein Gefühl wirklicher Befriedigung ein. Die Musik ruft oftmals haarzugenau die erwünschten Emotionen vor, die Bilder wirken glatt und mitunter allzu offensichtlich symbolisch beladen und dramaturgische Beats werden fast handbuchgetreu abgearbeitet. Wirklich schlecht ist das alles nicht, lässt aber leider dennoch einen leicht faden Beigeschmack aufkommen.

Schlechtester Dialog

Auch hier lässt sich kein wirklicher Totalausfall finden, doch wenn Ruth, nachdem Jane einige verbal – ähm – unangemessene Bauarbeiter in ihre Schranken verweist, ihre Tochter im strömenden Regen als neue, freie begeistert Frau postuliert, wirkt das doch etwas zu dick aufgetragen.

Reaktionen aus dem Publikum

Es wird an zumeist vorgegebenen, manchmal aber an vom Film vermutlich nicht so ganz vorgesehen Stellen gelacht, besonders wenn Armie Hammers Gesicht kurz vor der finalen Konfrontation mit einer Sonnenbrille, die man eher bei einem Herrn Kollegah vermuten würde, in Großaufnahme erscheint.

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden, vor allem in Ruths Gesprächen mit ihrer Tochter und ihrem Vorbild und späteren Mitstreiterin, der Anwältin Dorothy Kenyon (Kathy Bates). Ansonsten tummeln sich aber erwartbar viele Männer in der juristischen Welt des Amerika der 80er.

Fazit

Ja, »Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit« präsentiert seine Botschaft weder inhaltlich noch technisch subtil. Nein, das muss man nicht verzeihen. Aber man sollte versuchen, darüber hinwegzugucken – es lohnt sich.

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