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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche. Wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das.

Marschierende Kinderbeinchen, wechselnde Moodbilder und zwischendurch Enten. Ein Erzähler berichtet von Bella Brown, die als Säugling an einem See ausgesetzt wurde und nur überleben konnte, weil Enten sie mit ihrer Körperwärme am Leben hielten. Anschließend sieht man einen sehr alten Mann, der das Baby auf seinem Gepäckträger mitnimmt. „She became the oddest of the odd.“  Die Stimme aus dem Off beschreibt Bellas Eigenheiten und Ängste, die sie im Laufe ihres Lebens entwickelt und schon sind wir mittendrin in „Der wunderbare Garten der Bella Brown“.

This Beautiful Fantastic (Der wunderbare Garten der Bella Brown), Simon Aboud, Großbritannien / USA 2016

Die Story

Bella Brown und ihre Zwangsneurosen leben ein einsames Leben in einem süßen, penibel geputzten, Häuschen. Wenn sie nicht gerade in der Bibliothek arbeitet, streitet sie sich mit dem garstigen Nachbarn, der ihr letztendlich sogar den Vermieter auf den Hals schickt. Sollte Bella ihre Angst vor der Natur nicht überwinden und sich nicht endlich um den Garten kümmern, muss sie ausziehen. Nebenbei freundet sie sich mit Vernon, dem ehemaligen Koch des Nachbarn, an und verliebt sich in Billy, der täglich die Bibliothek aufsucht, in der Bella arbeitet.

Und, wie finden wir das?

Selten habe ich einen Film gesehen, der so viel auf einmal möchte. Es beginnt mit einer recht charmanten Geschichte über ein Baby, das von Enten „adoptiert“ wird und dann zu einem Sonderling heranwächst, der es auch noch liebt zu schreiben. Daraus könnte man eine wundersame, entzückende Geschichte formen.
Leider verliert sich die Handlung dann, wenn es um den verbitterten Nachbarn geht, der ihr natürlich am Ende dabei hilft, den schönsten Garten der Welt zu pflanzen. Aber Halt: Was hat das nun mit dem Einstieg des Films zu tun? Ich weiß es nicht. Ich habe die Leinwand sehr oft ratlos und stirnrunzelnd angesehen.

Zu Beginn wird man an „Die fabelhafte Welt der Amelie“ erinnert. Gerade, weil Bella Brown diesen leicht verklärten Blick hat und irgendwie stets verloren zu sein scheint. Dann machen aber Schnitt, Filmmusik und merkwürdige Bildauswahlen und Kameraeinstellungen alles kaputt. Ihre „Oddness“, die vielversprechend war, ist einfach zu gewollt und wird letztendlich von einem sehr leicht vorauszusehenden, schlicht unoriginellen Plot und dessen Beziehungsentwicklungen der Charaktere zerstört.

Schlechtester Dialog

Im Grunde alles, was der grumpy Nachbar zu Beginn von sich gibt. Provokante Sprüche wie:

„What are you doing?“

Bella: „Just tidying up.“

Nachbar: „That’s what Hitler said about Europe as well.“

… sollen uns empört auflachen lassen, gab es zu Hauf und sind doch einfach nur daneben.

Reaktionen aus dem Publikum

Sehr zwiegespalten. Zwei haben den Saal zu unterschiedlichen Zeiten verlassen. Ansonsten kichern, prusten, lautes Lachen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Sollte man meinen, handelt der Film doch ausschließlich von Bella Brown, einer Frau. Dennoch: falsch gedacht. Sie ist umgeben von drei Männern, die viel zu sagen haben und einer nervigen Chefin, die zwar nicht über Männer redet, sondern nur ständig mithilfe ihrer Magnettafel meckert, aber keinen Namen hat. (Zumindest erinnere ich mich nicht mehr an ihn.)

Hast du schon die Sneak Review der letzten Woche zu „Monsieur Pierre geht online“ gelesen?

Fazit

Vielleicht mag der Film putzig und unterhaltsam für die ein oder andere sein. Vielleicht findet ihn die ein oder andere aber auch genauso wie ich: irgendwie zu bemüht, irgendwie zu flach.

Wer Lust auf einen Lilalaune-Film hat, kann es ja versuchen.

Bild: Filmstarts.de